Opel-Bieterkampf: Merkel lobt Magna-Konzept - DER SPIEGEL
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Opel-Bieterkampf Merkel lobt Magna-Konzept

Beistand für Magna: In der heißen Phase des Bieterwettkampfs für Opel preist Kanzlerin Merkel den Autozulieferer. Dessen Konzept biete "ausgezeichnete Ansatzpunkte". Mitstreiter RHJ lockt die Belegschaft derweil mit einer Beteiligung an "NewOpel"- hält aber an Stellenstreichungen fest.
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Mainz/Kaiserslautern - Im Bieterwettkampf um Opel meldet sich die Kanzlerin erstmals seit Wochen wieder zu Wort - und räumt Bieter Magna gute Chancen ein. "Das Konzept von Magna bietet ausgezeichnete Ansatzpunkte", sagte Angela Merkel (CDU) am Donnerstag nach deutsch-russischen Regierungskonsultationen bei München. Das gelte sowohl hinsichtlich der Zukunft von Opel, als auch mit Blick auf die Chancen, eine strategische Kooperation mit Russland zu schaffen.

Merkel betonte bei einem Treffen mit Russlands Präsident Dmitrij Medwedew aber auch: "Hier gibt es noch etliche Fragen zu klären." Die Russen bemühen sich über die staatlich kontrollierte Sberbank im Konsortium mit Magna um die deutsche Spitzentechnologie. Auch Medwedew äußerte sich optimistisch, dass es zu einer Opel-Vereinbarung kommt.

Allerdings bietet auch der belgische Investor RHJ noch bei Opel mit - und der lässt nichts unversucht: Wie am Donnerstag bekannt wurde, will RHJ die Opel-Mitarbeiter im Falle einer Übernahme an der neuen Gesellschaft beteiligen. Die Belegschaft könnte zehn Prozent der Anteile an "NewOpel" übernehmen, zitiert die Deutsche Presseagentur aus dem Konzept des Investors.

Im Gegenzug erwartet RHJ von den Mitarbeitern allerdings "langfristige" Einschnitte von 250 bis 300 Millionen Euro jährlich. So sollen allein deutschlandweit 3900 Stellen wegfallen - die meisten davon in Bochum. Ursprünglich sollte der Standort sogar geschlossen werden. Nach den neuen Plänen soll der neue Zafira künftig dort statt in Rüsselsheim gebaut werden. Am deutschen Opel-Stammsitz würden deshalb 1400 Stellen wegfallen, weitere 300 sollen nach dem Plan in Kaiserslautern abgebaut werden. Insgesamt will RHJ in Europa 9900 Stellen streichen und das Werk in Antwerpen schließen.

Bei den Länderchefs der Opel-Standorte fiel RHJ mit diesem Konzept durch. "Unsere Befürchtungen haben sich bestätigt, das ist kein akzeptables Konzept", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck am Donnerstag. Das Papier sei schlichtweg eine "Zumutung".

Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) schlug ähnliche Töne an: Das RHJ-Konzept sei für sein Bundesland inakzeptabel. Es sehe eine Schließung des Eisenacher Opel-Werks für zwei Jahre vor. In dieser Zeit müssten die Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld beantragen. "Das kommt für uns nicht in Frage."

Er könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass RHJ Opel mit deutscher Staatshilfe und kräftigen Einschnitten sanieren und nach einigen Jahren an General Motors   zurückverkaufen wolle, sagte Reinholz weiter. Aus seiner Sicht biete der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer Magna das beste Konzept für Opel und den Erhalt der deutschen Werke.

Der ebenfalls an Opel interessierte chinesische Hersteller BAIC ist Insidern zufolge dagegen aus dem Rennen. So stünden sowohl RHJ als auch Magna International   kurz vor der Vorlage eines unterschriftsreifen Vorvertrags. Die Entscheidung zur Übernahme stehe voraussichtlich kommende Woche an, sagte ein Insider. Bei BAIC sei jedoch nicht einmal ein Vorvertrag in Sicht. "Die Dynamik bei den Chinesen hat etwas nachgelassen, die Verhandlungen mit ihnen stehen gerade nicht im Fokus", hieß es in den Kreisen.

GM Europe und BAIC wollten sich dazu nicht äußern. Allerdings warnten Insider auch davor, die Chinesen völlig abzuschreiben. Noch sei keine Entscheidung zugunsten von Magna oder RHJ gefallen. BAIC habe sich aus dem Bieterrennen nicht offiziell verabschiedet und führe weiter Gespräche.

Der staatlich kontrollierte Hersteller war Ende Mai kurz vor dem Abschluss einer Grundsatzvereinbarung mit Magna überraschend in das Wettrennen um Opel eingestiegen. Zwar legten die Chinesen zunächst nur ein sehr knapp gehaltenes Konzept vor. Nach einer Buchprüfung besserten sie ihr Angebot jedoch nach und versprachen, weniger Opel-Arbeitsplätze abzubauen und weniger Staatshilfe in Anspruch zu nehmen als der kanadische Autozulieferer und RHJ.

Für 51 Prozent an Opel bietet BAIC 660 Millionen Euro an Eigenkapital. Magna will 500 bis 700 Millionen in Opel investieren, davon jedoch nur einen kleinen Teil als Eigenkapital. RHJ kalkuliert Kreisen zufolge mit rund 300 Millionen Euro.

BAIC verlangt staatliche Garantien von 2,6 Milliarden Euro, RHJ 3,8 Milliarden Euro, Magna 4,5 Milliarden Euro.

yes/dpa/Reuters