Opel Forster verkündet Ende der Schrumpfkur
Rüsselsheim/Zürich - Nach dem Abbau von 12.000 Stellen seit 2005 werde es zunächst keine weiteren Stellenstreichungen geben, sagte der Präsident von General Motors-Europa und ehemalige Opel-Chef, Carl-Peter Forster, der Nachrichtenagentur dpa. "Wir wollen nicht als Selbstzweck Beschäftigung reduzieren, sondern erhalten".
Der Zukunftsvertrag stehe, an ihm werde nicht gerüttelt, fügte er hinzu. Der Vertrag regelt den Stellenabbau und garantiert die Zukunft der Opel-Werke bis 2010. Jetzt gehe es darum, noch profitabler zu werden. "Wir haben in den letzten Jahren sehr vorausschauend agiert und große Fortschritte bei Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit gemacht", sagte Forster.
Mit dem Sanierungsprogramm spart GM in Europa rund 500 Millionen Dollar jährlich ein. Der Autobauer hat im zweiten Quartal die Früchte der Sanierung geerntet. Das Europageschäft mit der Hauptmarke Opel erzielte mit 236 Millionen US-Dollar den höchsten Gewinn seit elf Jahren. Grund waren Kostenreduzierungen, steigende Absatzzahlen und bessere Preise. Diesen Weg will die Opel-Mutter nach Forsters Worten fortsetzen und verstärkt Wagen mit besserer Ausstattung verkaufen, die mehr Gewinn bringen.
Zusatzaufträge für Rüsselsheim
"Die Kunden sind bereit, für attraktive Modelle mehr zu zahlen", sagte Forster. Der dreitürige Astra GTC werde mit rund 5000 Euro Ausstattung mehr als sein Vorgänger verkauft. Dennoch könne Opel auf dem schwachen deutschen Automarkt nicht auf Rabatte verzichten. "Wir müssen die schmale Gratwanderung zwischen Rabatten und Höherpositionierung schaffen. Das hat die Marke in den vergangenen Jahren extrem unter Spannung gesetzt." Die Rabattschlacht der Autoindustrie sei bei einer durchschnittlichen Marge von ein bis drei Prozent ruinös.
Der Absatz von Opel in Deutschland war im ersten Halbjahr um 14,3 Prozent gesunken, Opel hält einen Marktanteil von 9,2 Prozent. Vertriebschef Alain Visser geht davon aus, dass Opel wegen des rückläufigen Marktanteils in Deutschland 2007 erstmals auf Platz 4 der Zulassungsstatistik abrutscht. Der Auftragseingang lag nach Forsters Worten von Januar bis Mai unter dem Vorjahr, habe sich in den letzten Monaten aber wieder erholt.
Die Situation der Opel-Werke bewertet Forster als solide. Das schlecht ausgelastete Werk in Rüsselsheim, das den Mittelklassewagen Vectra baut, wird ab dem 3. Quartal 2008 zusätzlich auch Saab-Modelle produzieren. Die Durststrecke könne der Standort mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Fortbildungs- und Trainingsmaßnahmen sowie Vorruhestandsregelungen überwinden. "Wir haben dort eine kurzfristig angespannte Beschäftigungssituation, das ist aber nur eine Delle", sagte der ehemalige Opel-Chef. Auch Bochum habe eine langfristige Zukunft.
Neue Absatzmärkte gesucht
Für das Komponentenwerk in Kaiserslautern liefen die Gespräche mit zwei potenziellen Käufern, darunter dem Autozulieferer Kirchhoff. Dessen Angebot hatte der Betriebsrat wegen drohender Stellenstreichungen zurückgewiesen. "Strittig sind die künftigen Konditionen für die Mitarbeiter und für Opel, der eigentliche Verkaufspreis des Werkes ist das geringste Problem". Ein Abschluss könne noch Monate dauern.
Angesichts der Probleme auf dem deutschen Markt sucht GM für Opel neue Absatzmärkte. Dazu gehört der Export des Bestsellers Astra unter dem Label der GM-Schwestermarke Saturn. Ab Oktober werden die ersten Modelle in die USA gehen, sagte Forster. Auch in Osteuropa solle der Absatz gesteigert werden, in Russland sollen dieses Jahr bis zu 70.000 Opel-Wagen erstmals einen Käufer finden. "Die Marke Opel ist in Osteuropa als zuverlässig und technisch hochwertig anerkannt." Zudem könnten theoretisch auch aus Korea stammende Fahrzeuge der amerikanischen Marke Chevrolet in Rüsselsheim oder Bochum gebaut werden, um die Auslastung zu verbessern. "Dafür gibt es im Moment aber keine konkreten Pläne."
Die aktuelle Marketingkampagne, bei der Opel einen Umweltbonus und eine Verschrottungsprämie von jeweils 1000 Euro für den Kauf eines neuen Opel bietet, sei gut angelaufen. "Das Thema Umwelt beschäftigt die Menschen", sagte Forster. Auf den Vorsprung von Toyota auf dem Gebiet der Hybrid-Technik will GM nach Forsters worten mit "bezahlbarer Umwelttechnik" reagieren. "Wir setzen darauf, klassische Motoren weiterzuentwickeln und glauben langfristig an die Elektrifizierung des Autos." Bis Ende 2010 werde Opel ein Auto mit neu entwickeltem Elektroantrieb auf den Markt bringen, das auf dem E-Flex-System basiere, bei dem ein kleiner Verbrennungsmotor nur zur Stromproduktion betrieben wird.
mik/dpa