Opel-Krise Die Einschnitte werden gravierend sein
Frankfurt am Main - Was bislang von den Plänen an die Öffentlichkeit gedrungen ist, deutet zumindest auf eine Teilschließung des Standorts in Bochum hin. Wie die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, will General Motors das Werk in drei Bereiche aufspalten: Fahrzeugmontage, Presswerk und Achsenproduktion. Dieser Schritt schaffe die Voraussetzungen, um zumindest die Montage langfristig schließen zu können. Davon wären rund 2000 Arbeitsplätze betroffen.
Zusätzlich könnte die Achsfertigung nach Osteuropa verlagert werden, schrieb die Zeitung. Das Presswerk solle in eine eigenständige GmbH ausgelagert werden und vorerst erhalten bleiben, da hier auch Karosserieteile für die Werke Rüsselsheim und Eisenach gefertigt würden. Ein Opel-Sprecher wollte die Informationen der Zeitung zufolge nicht kommentieren.
Bochum rückt immer stärker ins Blickfeld
Die Version wird indirekt auch durch einen Bericht der "Handelsblatts" bestätigt. Das Werk in Bochum rücke wegen seiner niedrigen Produktivität immer stärker in den Blick der GM-Manager, heißt es dort. In Gewerkschaftskreisen befürchte man, das Werk könne die Produktion der nächsten Modelle von Astra-Kombi und Zafira verlieren und würde damit überflüssig. Betroffen wären dann rund 6000 Beschäftigte. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, werde es dagegen kurzfristig nicht zur Schließung des Stammwerkes in Rüsselsheim oder des Saab-Werkes im schwedischen Trollhättan kommen, schrieb das Blatt weiter.
Auch nach ZDF-Informationen will GM derzeit gar keinen Opel-Standort in Deutschland vollständig schließen. Allerdings solle es drastische Einschnitte geben. Allein im Stammwerk in Rüsselsheim sollten 3000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Betroffen wären dort sowohl Produktion als auch Forschung und Entwicklung. Derzeit sind bei Opel-Rüsselsheim 20.000 Menschen beschäftigt.
Die IG-Metall will auf die Sanierungspläne erst reagieren, wenn sie konkret auf dem Tisch liegen. Die Führung des Opel-Gesamtbetriebsrates und der IG-Metall haben sich für morgen zu einem Krisentreffen in Frankfurt verabredet. Ein möglicher Streik steht aber noch nicht zur Debatte. "Das wäre Kurzarbeit zu Lasten der Kollegen oder der IG-Metall", sagte Günther Lorenz von der IG-Metall Darmstadt dem ZDF. Von öffentlichen Protesten würde er aber nicht abraten.
Opel-Krise alarmiert Kommunen
Unterdessen versetzt die Opel-Krise auch die betroffenen Kommunen in Alarmstimmung. "Wenn Arbeitsplätze in größerem Umfang wegfallen, dann schwächt das nicht nur Rüsselsheim, sondern auch die gesamte Region", sagte die Sprecherin der Stadt, Silke Frey, der "Berliner Zeitung". "Je größer der Abbau, desto größer die Folgen", sagte Bochums Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber. Besorgt zeigte sich auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt.
Stüber forderte, die Politik müsse den Druck auf Opel erhöhen. "Das Unternehmen muss endlich Flagge zeigen, damit Mitarbeiter, Angehörige und Kommunen wissen, was auf sie zukommt. Dann muss man sehen, wo man helfen kann." Zugleich betonte der SPD-Politiker, finanzielle Hilfe werde es nicht geben.