Opel-Rettung Regierungs-Gutachten warnt vor Einstieg der Chinesen
Berlin - Die Skepsis steigt: Im Rennen um die Übernahme des angeschlagenen Auto-Konzerns Opel wachsen laut einem Zeitungsbericht die Vorbehalte gegenüber dem Angebot des chinesischen Bieters BAIC. "Es geht der chinesischen Regierung eindeutig um den Zugriff auf moderne Technologien. Dadurch könnte New Opel in eine gefährliche Abhängigkeit vom chinesischen Staat geraten", zitierte die "Bild"-Zeitung aus einem regierungsinternen Gutachten.
Wegweiser vor der Opel-Zentrale in Rüsselsheim: "Gefährliche Abhängigkeit vom chinesischen Staat"
Foto: Michael Probst/ APDiese langfristigen Nachteile scheinen laut "Bild" in der Regierungs-Einschätzung die kurzfristigen Vorteile des Angebotes zu überwiegen - einen geringeren Finanzbedarf und den geplanten Abbau von weniger Stellen. BAIC hatte sein Angebot kürzlich Kreisen zufolge deutlich aufgebessert. Demnach verlange BAIC unter anderem deutlich weniger staatliche Garantien als der favorisierte Magna-Konzern und wolle weniger Arbeitsplätze abbauen.
"Ein ziemlich starkes Stück"
Bereits am vergangenen Freitag hatte Hessens Ministerpräsident Roland Koch sich vehement gegen einen Einstieg der Chinesen ausgesprochen. Der neue europäische Opel-Konzern könne nicht von einem chinesischen Unternehmen geführt werden, "das gerade 12.000 Autos pro Jahr produziert und noch nicht einmal über die Rückendeckung der chinesischen Regierung verfügt", sagte Koch dem Hamburger Abendblatt. Es wäre "ein ziemlich starkes Stück", wenn jemand ernsthaft an diese Lösung glaubte.
Diese Darstellung ist allerdings verkürzt: BAIC gehört zu den größten chinesischen Autoherstellern. Im ersten Quartal verkaufte der Konzern gut 250.000 Autos. Die Zahl, die Koch nennt, bezieht sich offenbar auf ein Joint Venture zwischen BAIC mit dem deutschen Autobauern Daimler . Im Rahmen dieser Partnerschaft wurden in einer deutsch-chinesischen Autofabrik im Süden Pekings binnen zwei Jahren rund 25.000 Autos produziert.
Allerdings gibt es neben dem chinesischen Autobauer offenbar noch mindestens einen Mitbewerber, der im Rennen ist: Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" laufen seit Wochen intensive Verhandlungen zwischen dem in Belgien ansässigen Finanzinvestor RHJI und der Opel-Mutter General Motors (GM) . Ziel sei es, noch im Laufe dieser Woche dem GM-Vorstand in Detroit und dem Treuhand-Beirat, der die Mehrheit an Opel hält, ein komplexes Vertragswerk vorzulegen, schreibt das Blatt.
Neue Verhandlungen mit RHJI
Die in Brüssel ansässige RHJI hat nach "BamS"-Informationen ihr ursprüngliches Angebot für Opel in einem wichtigen Punkt nachgebessert: Alle deutschen Standorte sollen nach dem neuen Konzept erhalten bleiben, auch das Werk in Bochum, da es "zur Identität der Marke gehört". Die langfristige Sicherung des Standortes ergebe sich daraus, dass der neue Opel Zafira in Bochum gefertigt werden solle.
Der RHJI-Restrukturierungsplan sehe einen Garantiebedarf der europäischen Staaten mit GM-Standorten von insgesamt 3,8 Milliarden Euro vor, die spätestens bis 2014 zurückgezahlt werden sollen. Das ist knapp eine Milliarde Euro weniger als bei Magna, mit einer zudem deutlich kürzeren Rückzahlungsfrist. Der Finanzinvestor RHJI wolle den Kreditbedarf minimieren, um die Zinslast für das künftige Unternehmen und die Belastung der Steuerzahler möglichst gering zu halten, schreibt die Zeitung.
Gleichzeitig ist der Übernahmeplan des kanadischen Autozulieferers Magna , der lange Zeit wie der sichere Sieger im Opel-Bieterwettstreit ausgesehen hatte, angeblich ins Stocken geraten: Magna habe eine für kommenden Dienstag erwartete Aufsichtsratssitzung auf einen nicht genannten Termin verschoben, berichtete die "Automobilwoche" am Wochenende. Damit sei auch der 15. Juli als Stichtag hinfällig, den Magna-Co-Chef Siegfried Wolf für die Vorlage eines Vorvertrags mit Opel geplant hatte, heißt es in dem Bericht des Fachblatts. Auf dem Treffen sollte der endgültige Geschäftsplan für Opel abgesegnet werden.
Der "Automobilwoche" zufolge hat sich Magna zuletzt über die Führung von GM beklagt. Bei den Verhandlungen über die Zukunft von Opel trete sie hochnäsig auf und strapaziere die Geduld der Interessenten, berichtet das Blatt unter Berufung auf das Umfeld von Magna. Magna-Gründer Frank Stronach und sein Co-Chef Siegfried Wolf seien bei direkten Gesprächen mit der GM-Führung in Detroit auf wenig Kompromissbereitschaft gestoßen.