Opel-Sanierung: "Das reicht nicht" - DER SPIEGEL
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Opel-Sanierung "Das reicht nicht"

Bei Opel fallen 10.000 Stellen weg - der größte Kahlschlag seit Kriegsende. Management und Betriebsrat feiern den Sanierungskompromiss dennoch als Erfolg, weil es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Beobachter rechnen jedoch mit weiteren Hiobsbotschaften für die Opelaner.
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Rüsselsheim - Beide Seiten waren am Donnerstagnachmittag erkennbar bemüht, sich als Gewinner zu präsentieren. Opel-Chef Hans Demant erklärte, der Sanierungsplan werde das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig machen. Die Einschnitte seien zwar tief. "Langfristig werden sie Opel aber zu neuen Erfolgen führen", sagte Demant.

Aus Sicht von Betriebsratschef Klaus Franz wurde mit dem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen das wichtigste Verhandlungsziel erreicht. Er nannte die Vereinbarung "akzeptabel".

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement sprang den Verantwortlichen bei. Er sieht im Opel-Sanierungskonzept gar ein Bekenntnis des Unternehmens zum Standort Deutschland. "Ich bin erleichtert, dass die Sanierung des Unternehmens ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen soll und dass alle Opel-Standorte in Deutschland erhalten bleiben sollen", erklärte Clement.

Allerdings ist dieser Punkt noch gar nicht abschließend verhandelt. In den nächsten Gesprächsrunden, so erklärte der Betriebsrat, gehe es um einen Zukunftsvertrag bis 2010 für die deutschen Standorte.

In Europa fallen 12.000 Stellen weg

General Motors   hatte die Mitarbeiter der europäischen Töchter Opel, Saab und Vauxhall am Donnerstag über das bevorstehende Sanierungsprogramm informiert. Bis zu 12.000 Stellen stehen auf der Streichliste, davon 10.000 in Deutschland bei Opel.

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Opel in Deutschland: Wo die deutsche GM-Tochter was baut

Foto: AP

Opel in Deutschland

Der Umbau bei Opel und im übrigen Europa-Geschäft von GM ist für die kommenden zwei Jahre geplant. Dabei will der Konzern einen Großteil der Einsparungen bereits in 2005 erzielen.

Den Angaben zufolge wird der Großteil des Stellenabbaus bei Opel den Stammsitz in Rüsselsheim treffen, wo die Vectra-Familie gebaut wird. In Bochum sollen nach Betriebsratsangaben 4100 Stellen abgebaut, 400 werden in Kaiserslautern wegfallen. Nicht betroffen ist die Produktion in Eisenach.

Noch in diesem Jahr werden an den betroffenen Standorten Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften gegründet. Die hierher gewechselten Mitarbeiter werden ein volles Jahr lang weiter ihr Einkommen beziehen und sollen durch Fortbildungen und Qualifizierungsschulen mehr Chancen auf einen neuen Job erhalten. Zudem soll die Mitarbeiterzahl durch Abfindungsangebote, Vorruhestandsregelungen sowie eine angestrebte Auslagerung von Unternehmensteilen reduziert werden.

Beobachter rechnen mit weiteren Einschnitten

Beobachter beurteilen den Rettungsplan kritisch. "Das reicht nicht", sagt Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Es fehlten Vorschläge, wie die Marke Opel wieder attraktiver für die Käufer werden könne, urteilt der Experte.

Erhebliche Zweifel an der Vereinbarung hat auch Andreas Bremer, Sprecher des wirtschaftsnahen Instituts für Automobilmarktforschung. In einem Interview mit Deutsche-Welle-TV sagte Bremer: "Kündigungen werden wahrscheinlich unumgänglich sein, und zwar in massiver Art."

Ihm sei "im Moment noch schleierhaft, wie Beschäftigungsgesellschaften oder Vorruhestand ausreichen sollen", um die von der Muttergesellschaft General Motors (GM) geforderten Einsparungen von mindestens 500 Millionen Euro im Jahr tatsächlich zu verwirklichen. Die Entwicklung bei Opel werde nach seiner Einschätzung so weitergehen wie in der Vergangenheit: "Wir werden jede Woche ein paar neue Informationen bekommen, die dazu führen, dass es unterm Strich doch zu Kündigungen kommt."

Keine Streikgefahr

Trotz aller Unsicherheit: Nach einem Streik sieht es derzeit nicht aus. Im Oktober hatte die Verkündung der Sparpläne die Belegschaft auf die Barrikaden getrieben. Im Bochumer Werk standen eine Woche lang alle Bänder still.

In der Belegschaft herrschten jetzt nicht Wut und Frustration vor, sondern Ängstlichkeit, sagte Dietmar Hahn, Betriebsratschef in Bochum. "Noch weiß niemand, ob er betroffen ist oder nicht. Die Stimmung ist nach wie vor sehr gedrückt. Solange hier Arbeitsplätze abgebaut werden, werde auch ich immer unzufrieden sein. Aber die Teillösung, die wir jetzt gefunden haben, trägt dazu bei, dass es hier nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommt."

Jörn Sucher