Opel-Sanierung: Einigung auf Schrumpfkur - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Opel-Sanierung Einigung auf Schrumpfkur

Nach monatelangem Tauziehen haben sich Opel-Führung und Arbeitnehmer auf ein Konzept zur langfristigen Sicherung der westdeutschen Standorte geeinigt. Kernpunkte der Vereinbarung dürften eine Kürzung des übertariflichen Weihnachtsgelds sowie eine Flexibilisierung der Arbeitszeit sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rüsselsheim/Bochum - Details der Vereinbarung will die Geschäftsführung morgen gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat bekannt geben. Zum gleichen Zeitpunkt werde die Öffentlichkeit auch im schwedischen Werk Saab-Trollhättan informiert. Derzeit verdienen die Opel-Beschäftigten bis zu 20 Prozent über Tarif.

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen haben sich Opel-Führung und Betriebsrat erst in den vergangenen Tagen auf Eckpunkte eines Zukunftsvertrages geeinigt. Kernpunkte seien eine Flexibilisierung der Arbeitszeit sowie eine Verringerung des übertariflichen Weihnachtsgeldes, hieß es. Nach Informationen der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" läuft die Einigung für das Opel-Werk in Bochum auf Nullrunden bei den Löhnen bis zum Jahr 2007 hinaus. Geplant ist auch eine deutlich stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

Im Gegenzug soll Bochum den Kreisen zufolge den Zuschlag für die zusätzliche Produktion des fünftürigen Astra-Modells sowie die Beibehaltung des Drei-Schicht-Betriebes in den nächsten Jahren erhalten. Knackpunkt sei nach wie vor der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, hieß es weiter.

Einspruch von Belgiern und Briten

Nach Informationen der "NRZ" sollen weitere Nullrunden bis 2010 in der Vereinbarung davon abhängig gemacht, dass Bochum eine verbindliche Zusage für die Produktion von neuen Modellen ab 2010 erhalte, verlautete weiter. Die Sicherung des Standortes Bochum bis weit über 2015 wäre aus Sicht von Arbeitnehmervertretern mit einer solchen Nachfolgeproduktion gewährleistet. Darum werde derzeit allerdings noch heftig gerungen.

Heute morgen noch schien jedoch eine endgültige Einigung in weiter Ferne. Der Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Opel-Werkes Rainer Einenkel hatte im WDR auf Bedenken der britischen und belgischen Beschäftigten des Autokonzerns hingewiesen. Diese befürchteten "ein Ausbluten ihrer Werke", wenn Bochum wie angekündigt die Zusage für den Bau des fünftürigen Astra erhalte.

Die Einsprüche der ausländischen Kollegen drohten die Einigung zu gefährden. "Wenn die Frage weiterhin nicht geklärt wird, dass wir den Fünftürer bauen und entsprechende Zusagen für das Volumen bekommen, dann sehe ich keine Chance mehr, dass wir zu einem Vertragsabschluss kommen", sagte er. Nach Betriebsratsangaben müssten ohne die Zusage für den Bau des neuen Modells in Bochum ab 2007 weitere 1400 Arbeitsplätze abgebaut werden.

4500 entschieden sich für die Abfindung

Der Opel-Gesamtbetriebsrat und die Führungsspitze verhandeln seit Monaten über ein Sanierungskonzept zur Sicherung der westdeutschen Standorte. Die Konzernmutter General Motors hatte im Zuge ihres Sparkurses für die europäischen Töchter Opel, Saab und Vauxhal deutlich gemacht, dass Produktionszusagen für bestimmte Standorte von deren Wettbewerbsfähigkeit abhängen. Für Rüsselsheim geht es in dabei um den Zuschlag für die Mittelklasse, um den das Stammwerk mit dem Saabwerk im schwedischen Trollhättan konkurriert. Bereits vor einer Woche hatte Opel verkündet, dass das Sanierungspaket vorerst ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ablaufen wird. 4500 Mitarbeiter hatten sich freiwillig für eine Abfindung entschieden und werden das Unternehmen noch in diesem Jahr verlassen. Bis 2007 sollen über Abfindungen insgesamt 6000 Stellen wegfallen.