Opel Verzicht auf Werksschließungen
Rüsselsheim - Die beabsichtigte Rückkehr von Opel in die Gewinnzone soll weder mit Werksschließungen noch mit betriebsbedingten Kündigungen erreicht werden. Darauf hätten sich die Arbeitnehmervertreter und das GM-Management in Rüsselsheim geeinigt, teilte der Opel-Betriebsrat mit. Das gelte auch für die europäischen Standorte der amerikanischen Muttergesellschaft General Motors (GM) in Saragossa (Spanien) und Antwerpen (Belgien).
Die Arbeitnehmervertreter der rund 85.000 Beschäftigten bei GM Europa stimmten im Gegenzug dem notwendigen Konsolidierungskurs des neuen Opel-Vorstandchefs Carl-Peter Forster zu. Ein Personalabbau soll danach nur im Rahmen eines europäischen Rahmenvertrages sozialverträglich erfolgen. Damit wurden die Bedingungen der europäischen GM-Betriebsräte für weitere Verhandlungen über das Sanierungskonzept "Olympia" erfüllt.
Betriebsrat: Die erste Hürde ist genommen
Der Bochumer Opel-Betriebsrat Peter Jaszczyk rechnet dennoch mittelfristig mit einem Abbau von bis zu 1500 Arbeitsplätzen in der Stadt im Ruhrgebiet. Derzeit sind dort rund 12.800 Menschen beschäftigt. Die Jobs könnten sozialverträglich etwa durch Vorruhestandsregelungen, Frühverrentungen oder Abfindungsregelungen wegfallen, sagte Jaszczyk.
"Die erste Hürde ist genommen, aber Entwarnung kann nicht gegeben werden, denn über Details der Konsolidierung wurde nicht gesprochen", sagte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Die notwendige Sanierung des Konzerns sei von allen europäischen GM-Arbeitnehmervertretern grundsätzlich unterstützt worden.
Als nächsten Schritt wollen beide Seiten einen europäischen Rahmenvertrag erstellen, auf dessen Grundlage die Ergebnisse des Olympia-Projekts auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Der Opel-Vorstandsvorsitzende Forster hatte vergangene Woche angekündigt, in Europa müssten zusätzlich 15 Prozent der Kapazitäten abgebaut werden, um wieder in die Gewinnzone zu kommen. Dies entspricht etwa 300.000 bis 350.000 Fahrzeuge. Diese tiefen Einschnitte zur Anpassung an die gesunkene Nachfrage nach Opel-Modellen soll nun vor allem über die Drosselung der Fertigung an mehreren Standorten erfolgen.
Insgesamt sollen Kosten und Erlöse in den nächsten zwei Jahren um zwei Milliarden Euro (3,9 Milliarden Mark) verbessert werde. Allein eine Milliarde Euro Einsparung wird bei der Materialbeschaffung durch eine verbesserte Zusammenarbeit mit den Zulieferern angepeilt. Schließlich will Forster alleine in Deutschland das Netz von derzeit knapp 1000 Händlern halbieren und die Zahl der Werkstätten um bis zu 30 Prozent reduzieren.
Bei den bevorstehenden Verhandlungen dürfte das Management auch die übertariflichen Einkommensbestandteile ins Visier nehmen. Die Betriebsräte wollen in den kommenden Verhandlungen jedoch verhindern, dass die Belegschaften in Europa "die Zeche für Managementfehler der Vergangenheit zahlen müssen". Generell sollten die Belastungen auf alle europäischen GM-Unternehmen und Marken - Opel, Vauxhall (Großbritannien) sowie Saab (Schweden) - verteilt werden.