Opel vs. VW Carl-Peter Forsters Wochen der Bewährung
Wolfsburg/Rüsselsheim - 2004 könnte für Carl-Peter Forster zum wichtigsten Jahr in seiner Zeit als Chef des Rüsselsheimer Autobauers werden. Es gilt, den neuen Astra am ohnehin schon schwierigen Pkw-Markt zu platzieren. Mit dem Verkaufsstart am Freitag beginnt die Uhr zu ticken, denn der Astra soll den Rüsselsheimern nach Jahren hoher Verluste wieder die lang ersehnte Erfolgsstory liefern.
Opel plant für 2004 europaweit den Verkauf von 200.000 neuen Astra-Fahrzeugen, davon 45.000 in Deutschland. Bisher hat die deutsche Tochter des US-Autokonzerns General Motors nach eigener Darstellung bereits über 30.000 Festbestellungen. Mit einem Frühbucherrabatt haben Forsters Leute schon geködert, bevor das Fahrzeug überhaupt bei den Händlern zu sehen war. Kunden erhalten seit Januar ein Paket aus Klimaanlage, Bordcomputer und Stereoanlage als Beigabe, wenn sie den Astra schon vor dem offiziellen Verkaufsbeginn bestellen.
Nicht nur die Rüsselsheimer hoffen auf das traditionell verkaufsstarke Frühjahr. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die Autohersteller insgesamt nach Jahren der Flaute in Deutschland endlich wieder mit steigenden Neuzulassungszahlen rechnen können.
Aber gerade in der Kompaktklasse wird es ein heißes Rennen geben. In dem Segment konkurriert der Astra mit dem Golf V von Volkswagen . Der Wolfsburger Wettbewerber hat sein Modell seit Oktober auf dem Markt. Der Absatz verlief angesichts der schwachen Autokonjunktur jedoch schleppend.
Umso gespannter sind die Beobachter des sich abzeichnenden Duells. "Jetzt entscheidet sich, welches Konzept sich als das erfolgreichste herausstellt", sagte Ulrich Winzen vom Marktforschungsinstitut R.L. Polk Marketing Systems der Nachrichtenagentur Reuters. Während Volkswagen eher auf die bewährten Designlinien des Golfs setzt, gab Opel dem Astra im Vergleich zu den Vorgängern ein sportlicheres, kraftvolleres Aussehen. In Qualitätstests schnitten beide Autos gut ab.
Gemessen an der Einführungskampagne muss sich Opel nicht mehr großartig anstrengen, um Volkswagen zu überflügeln. Mit kryptischen Slogans wie "Fährt jetzt auch geradeaus" bewarben die Niedersachsen ihr Aushängeschild. Bei den Käufern kam das nicht gut an. "Für wie dumm halten die uns?", fragten erboste Leser der "Auto-Bild".
Lernerfolg nach dem Caravan-Desaster
Opel hingegen spart sich solche Sprüche. In der Astra-Kampagne setzen die Rüsselsheimer voll auf die Optik. "Trauen Sie ihren Augen", heißt es in Anzeigen und auf Plakaten. Beim Aufwand spart Opel dabei nicht. Leser des "Stern" werden in dieser Woche erstaunt festgestellt haben, dass dem Magazin ein großformatiges Poster des Astra beigefügt war.
Forster tut gut daran, bei der Markteinführung nicht zu sparen. In unangenehmer Erinnerung ist der verpatzte Start des Kombis Vectra Caravan im vergangenen Oktober. Vertriebsvorstand Uhland Burkart hielt eine aufwändige Kampagne für überflüssig - und kaum ein Kunde registrierte das neue Modell. Die Folge waren übereilte Nachbesserungen mit Preisnachlässen und günstigen Leasingkonditionen. Beim Prestigeduell gegen den Golf sollte eine derartige Schlappe nicht wieder vorkommen.
Wie für Opel-Vormann Forster ist der Ausgang des Zweikampfes auch für Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder von zentraler Bedeutung. "Wenn der Golf schwächelt, hat VW ein Problem", sagt der Gelsenkirchener Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Nach dem Fehlstart hat der Auftragseingang zuletzt angezogen - auch dank des Rabatts, den VW in Form einer Klimaanlage für den Golf inzwischen gewährt.
Die Luft wird dünner
Frühbucherbonus und Gratisklimaanlage - die Rabattschlacht ist entbrannt. "Die Aufträge laufen laut Opel sehr gut, man muss aber auch sagen, dass sie den Astra zu Kampfpreisen anbieten", sagt dazu Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Immerhin sei es Opel gelungen, ein etwas interessanteres Design als bislang zu entwickeln, urteilt er. "Ich glaube aber nicht, dass der Astra den VW Golf angreifen kann."
"Gemessen am Gesamtverkauf in Deutschland gibt es das Duell Golf versus Astra eigentlich seit dem Jahr 2001 nicht mehr", schränkt Dudenhöffer ein. Damals habe der Astra seine Rolle als zweitwichtigstes Automodell abgeben müssen und sei von der Mercedes C-Klasse und dem 3er BMW überholt worden.
Mit dem neuen Astra könne Opel 2004 aber wieder an die alten Zeiten anknüpfen und auf den zweiten Platz in der Verkaufsstatistik vorrücken. Auch der Abstand zum Golf könne geringer werden. "Die Luft für den Golf wird aber ab den 19. März in Deutschland dünner", prognostiziert Dudenhöffer. Wenn indes der Astra ein Misserfolg wird, könnte es für den Opel-Primus eng werden.