Oracle-Chef Ellison: IBM ist der einzige Gegner - DER SPIEGEL
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Oracle-Chef Ellison IBM ist der einzige Gegner

Oracle-Chef Larry Ellison setzt alles auf eine Karte. Die Zukunft des Datenbank-Spezialisten ist abhängig von einem Produkt. Aber Ellison ist sich sicher, dass er damit alle übertrumpfen wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zur diesjährigen Oracle-Open-World, einer Anwendermesse für IT-Fachleute, reiste der Oracle-Chef eigens aus Kalifornien an, um die neue Datenbank "Oracle 9i" anzupreisen. Zwei Milliarden Dollar habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren in die Entwicklung der neuen Software investiert, erklärte Ellison: "An Teilen tüfteln unsere Programmieren schon seit zehn Jahren."

In alter Gewohnheit suchte sich der charismatische IT-Pionier wieder einen Gegner aus, auf den er kräftig eindreschen konnte. Diesmal traf es IBM - nach Ellison Überzeugung der einzig würdige Konkurrent in Sachen Datenbanken. Trotzdem, amüsierte sich der Oracle-Chef, nutze IBM Oracle-Software, wenn es mit der Geschwindigkeit ihrer Rechner prahlen will.

"Sie (die Software-Abteilung, die Red.) können ihre Programme nicht einmal ihren eigenen Kollegen andrehen, die sie dazu noch umsonst kriegen. Einen besseren Beweis für die Qualität unserer Software kann es wohl kaum geben", lästerte Ellison. Was IBM nur mit teuren Supercomputern schaffe, wolle Oracle künftig mit Billigrechnern bewerkstelligen. Für die Kunden ergebe sich daraus eine Ersparnis von rund 40 Prozent.

Seine Ziele hat der Oracle-Chef hoch gesteckt: 50.000 bis 100.000 Anwender sollen bis zum Ende des Jahres mit "9i" arbeiten. Ob dies zu einem Schub beim Umsatzwachstum führen würde, darauf wollte Ellison sich nicht festlegen. "Unser Wachstum hängt erheblich davon ab, ob die Konjunktur insgesamt wieder anspringt."

Für die USA ist der Oracle-Chef weit weniger pessimistisch als für Europa. Speziell die Telefon-Gesellschaften hätten sich mit ihrem Engagement in Sachen UMTS weit vorgewagt. "Es ist noch keineswegs sicher, ob sich die hohen Investitionen auszahlen werden. Das wirkt sich negativ auf die Stimmung in der gesamten Wirtschaft aus." Für Oracle selbst werde sich dies allerdings nur in Grenzen auswirken, weil das Unternehmen in den übrigen Regionen der Welt stark vertreten sei.

Anders als bei seinen Konkurrenten kennt Ellison bei seinen Kunden übrigens keine Feinde. Oracle liefert Datenbanken an den CIA und den britischen Geheimdienst MI5 ebenso wie an den ehemaligen Klassenfeind KGB.