Oracle: Ellison muss Leute rausschmeißen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Oracle Ellison muss Leute rausschmeißen

Es sieht aus, als sein Oracle-Chef Larry Ellison wieder einmal zu optimistisch gewesen, denn die Geschäftszahlen enttäuschten die Analysten. Wegen der angespannten Geschäftslage sollen jetzt weltweit bis zu zwei Prozent der 43.000 Beschäftigten entlassen werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Los Angeles - Es gehe um rund 800 Arbeitsplätze, teilte Oracle am Freitag in Los Angeles mit. Betroffen seien im wesentlichen Mitarbeiter in den Bereichen Beratung und Vertrieb in Nordamerika.

Damit soll dem Unternehmen zufolge ein Umstrukturierungsprozess weitergeführt werden, der mit dem Abgang des stellvertretenden Generaldirektors Jay Nussbaum Ende November begonnen habe. Nussbaum war für den Vertrieb an den öffentlichen Sektor in Nordamerika zuständig. Er zeichnete auch für den Verkauf an Energieversorger, Telekomunternehmen und andere private Großkunden verantwortlich. Am 30. November nahm er seinen Hut.

Der Umsatz im zweiten Quartal enttäuschte die Analysten

Im zweiten Quartal (per 30. November) war das Unternehmen sowohl beim Gesamtumsatz als auch bei den Lizenzeinnahmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Wir gehen jetzt davon aus, dass Oracle im Datenbank-Geschäft einem sich verschärfenden Wettbewerb ausgesetzt ist und immer noch Schwierigkeiten hat, im Markt für Software-Anwendungen zuzulegen", schrieb Ken Carey von UBS Warburg.

Den Ausblick auf das laufende Geschäft, den der Softwarehersteller Mitte Dezember gegeben hatte, bezeichneten Analysten denn auch als "zu optimistisch". George Godfrey von ABM Amro sagte, er halte ein "konservativeres Szenario" für wahrscheinlicher. "Wir glauben, dass Vorsicht angebracht ist." Oracle muss sich bei der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware in einem hart umkämpften Segment mit Konkurrenten wie der Walldorfer SAP, Peoplesoft oder Siebel Systems auseinander setzen.

Starker Rückgang im Lizenzgeschäft

Der zweitgrößte Software-Anbieter der Welt verzeichnete im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2001/2002 auf Grund eines scharfen Verkaufsrückgangs neuer Software-Lizenzen einen Gewinnrückgang auf 549,5 Millionen Dollar. Oracle hatte in der entsprechenden Vorjahreszeit 622,8 Millionen Dollar verdient. Der Umsatz schrumpfte in dem am 30. November beendeten Dreimonatsabschnitt auf 2,357 gegenüber 2,659 Milliarden Dollar im Vergleichszeitraum des Vorjahres .

Die von Thomson Financial/First Call befragten Analysten hatten einen Umsatz von 2,497 Milliarden erwartet. Mit einem Gewinn von zehn Cent erfüllte das Unternehmen die Markterwartungen, blieb aber um ein Cent unter dem Vorjahreswert.