Oracle: Ellisons Angst vor der Zukunft - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Oracle Ellisons Angst vor der Zukunft

Von den sonst so großen Tönen des Oracle-Chefs Larry Ellison ist derzeit wenig zu hören. Der Softwarekonzern traf mit seinen Quartalszahlen zwar die Erwartungen der Analysten, der Ausblick fiel allerdings sehr vorsichtig aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Redwood Shores - Oracle   hat im abgelaufenen vierten Geschäftsquartal weniger verdient als im Vorjahreszeitraum und damit die Erwartungen der Analysten erfüllt. Die Zukunftsprognosen des weltweit zweitgrößten Softwareherstellers für das laufende erste Quartal fielen allerdings hinter die Schätzungen der Analysten zurück.

Der US-Konzern nannte am Dienstag für das vierte Geschäftsquartal bis Ende Mai einen Netto-Gewinn von 655,9 (Vorjahreszeitraum 854,9) Millionen Dollar oder 0,12 (0,15) Dollar je Aktie. Der Gesamtumsatz ging das fünfte Quartal in Folge zurück und zwar auf 2,77 von 3,29 Milliarden Dollar im Jahr zuvor. Von Thomson First Call befragte Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn von 0,12 Dollar je Aktie bei Erlösen von 2,55 Milliarden Dollar erwartet.

Oracle-Aktien hatten den Handel zuvor mit einem Minus von 2,93 Prozent bei 8,93 Dollar verlassen. Nachbörslich legte der Kurs zunächst mehr als 15 Prozent zu, sackte dann allerdings mit dem schwachen Ausblick wieder auf Vortagesschluss ab.

Nach Aussage des Finanzchefs Jeff Henley wird Oracle im laufenden ersten Quartal mit seinem Gewinn unter den Markterwartungen bleiben. Der Gewinn je Anteilschein (EPS) dürfte bei rund sieben US-Cent ausfallen, sagte Henley. Analysten hatten mit neun Cent ein Ergebnis auf dem entsprechenden Vorjahresniveau erwartet. Die ersten drei Geschäftsmonate seien weiter schwierig, sagte der Finanzchef.

Beim Umsatz mit neuen Softwarelizenzen rechnet Henley im Jahresvergleich mit einem Minus um 15 bis 25 Prozent. Sollte tatsächlich ein Viertel dieses Geschäfts wegbrechen, dann könnte der Gewinn pro Aktie auch noch auf sechs US-Cent sinken, warnte der Finanzchef.

"Unsere Annahme ist, dass sich die US-Wirtschaft weiter erholen wird, zumindest schrittweise. Doch bei den Technologie-Ausgaben werden wir wahrscheinlich in den nächsten sechs Monaten noch keine Zeichen der Besserung sehen", sagte Henley.

Für das Geschäftsjahr 2003 erwartet der Finanzchef ein "moderates Wachstum". Oracle habe derzeit keine Pläne für einen Stellenabbau.