Oracle vs. PeopleSoft Der Eroberer von Redwood Shores
Redwood Shores - Oracle zahlt für den kleineren Konkurrenten Peoplesoft 10,3 Milliarden Dollar oder 26,50 Dollar je Aktie. Dies gab der Anbieter von Datenbank- und Unternehmenssoftware am Montag bekannt. Die Transaktion ist von den Verwaltungsräten beider Gesellschaften gebilligt worden und soll Anfang Januar über die Bühne gehen. Die bisherige Offerte hatte 9,2 Milliarden Dollar oder 24 Dollar je Aktie betragen. Peoplesoft-Aktien gewannen im frühen Nasdaq-Handel 10,27 Prozent auf 26,41 Dollar.
Das neue Übernahmeangebot soll am 28. Dezember auslaufen. Bisher hat Oracle 120,6 Millionen und damit etwa ein Drittel der PeopleSoft-Aktien angeboten bekommen. Der PeopleSoft-Verwaltungsrat empfahl nun allen Aktionären, ihre Aktien zu tauschen. Zuvor hatte das Unternehmen sämtliche Oracle-Offerten als unzureichend abgelehnt. Laufende gegenseitige Klagen seien ausgesetzt worden und sollten nach Vollzug der Transaktion endgültig fallen gelassen werden, erklärte Peoplesoft.
"Dieser Zusammenschluss gibt Oracle noch mehr Masse und Bewegung", erklärte Konzernchef Larry Ellison. der Manager erwartet, dass der Kauf im vierten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Cent Gewinnsteigerung bringen wird. Im nächsten Geschäftsjahr sollen es insgesamt acht Cent je Aktie sein.
Ellison sagte zu, Oracle werde die existierende PeopleSoft- und JD-Edwards-Software unterstützen und neue Versionen entwickeln. PeopleSoft hatte behauptet, Oracle sei lediglich an der Kundenkartei interessiert. Tatsächlich stand im Prospekt zu Oracles erstem Angebot, dass die bestehenden PeopleSoft-Produktlinien eingestellt werden sollten.
Philip Carnelley von der IT-Beratung Ovum sagte, er erwarte, dass mittelfristig ein "starker ebenbürtiger Konkurrent (des Marktführers) SAP entsteht". Negativ werde sich die Fusion außerdem für IBM auswirken. "IBM wird das nicht gefallen", so Carnelley. Das Unternehmen hatte im September eine Allianz mit PeopleSoft geschlossen, um besser mit SAP und Oracle konkurrieren zu können. Die Vereinbarung sah vor, die IBM-Software Websphere in PeopleSofts Produkte zu integrieren.
Wüste Drohungen im Übernahmekampf
PeopleSoft ist einer der größten Hersteller von Unternehmenssoftwar. Diese wird unter anderem in Personalbuchhaltung oder Controlling verwendet. Im Jahr 2003 hatte das Unternehmen aus Pleasanton den kleineren Wettbewerber JD Edwards übernommen und stieg dadurch nach der deutschen SAP zur Nummer zwei der Branche auf.
Das rief Oracle-Chef Larry Ellison auf den Plan, dessen Unternehmen bei Business-Software durch den Peoplesoft-Edwards-Deal auf Platz drei abgerutscht war. Im Sommer 2003 gab Oracle ein Übernahmeangebot für PeopleSoft ab. Ellison ließ seinerzeit durchblicken, er plane den Konkurrenten nach dem Kauf zu filetieren.
In der Folge entbrannte eine eineinhalb Jahre dauernde Übernahmeschlacht, während der sich die Gegner mit Kartellklagen, juristischen Giftpillen und persönlichen Drohungen beharkten. Besondere Würze bekam das Ganze durch die beiden Hauptakteure: Ellison und Peoplesofts damaliger Chef Craig Conway waren sich bereits seit langem in inniger Feindschaft verbunden.
Conway, ein ehemaliger Ellison-Schüler, hatte bereits Jahre zuvor mit dem wohl größten Egomanen des Silicon Valley gebrochen. Entsprechend gingen die beiden dann in den Medien auch aufeinander los. "Wenn Larry Ellison sagt, Oracle wolle Peoplesoft übernehmen, dann klingt das wie der Vorschlag, sich einen Hund zu kaufen - um ihn im Hinterhof zu erschießen", keifte Conway. Ellisons Riposte: "Hätte ich eine Kugel, sie wäre gewiss nicht für den Hund."
Für Ellison dürfte der Imageeffekt der Übernahmeschlacht mindestens so entscheidend sein wie die wirtschaftlichen Folgen. Der Selfmade-Milliardär gilt als Mann, der es hasst zu verlieren. Hätte es Oracle nicht geschafft, die "Soft People" aus Pleasanton zu besiegen, hätte dies einen enormen Gesichtsverlust für Ellison bedeutet.
Thomas Hillenbrand