Orientalischer Basar - DER SPIEGEL
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TOURISMUS Orientalischer Basar

L'tur-Chef Karlheinz Kögel, 52, über den Run auf Last-Minute-Reisen.
• aus DER SPIEGEL 30/1999
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Auf Mallorca gibt es angeblich keine freien Betten mehr, trotzdem bieten die Chartergesellschaften noch immer Flüge an. Wie paßt das zusammen?

Kögel: Wir haben herausgefunden, daß englische Veranstalter noch leere Hotelbetten auf Mallorca haben. Durch unser Computernetz holen wir uns die und mischen sie mit den leeren Flugsitzen.

SPIEGEL: Sie haben vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht durchgesetzt, daß Reiseveranstalter nur dann mit dem Zusatz »Last Minute« werben dürfen, wenn zwischen dem Angebot und dem Urlaubsbeginn nicht mehr als 14 Tage liegen. Ende Juni hat der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben. Was machen Sie, wenn die Richter entscheiden, daß zwischen Buchung und Start künftig vier Wochen liegen dürfen?

Kögel: Das Verfahren wird neu aufgerollt, noch ist nichts entschieden. Die 14-Tage-Frist für Last Minute hat im Markt fast normative Kraft und wird auch von Verbraucherschützern massiv unterstützt. Ich bin optimistisch, daß sie Bestand hat.

SPIEGEL: Warum ist Ihnen die 14-Tage-Frist so wichtig?

Kögel: Weil Last Minute im Preisgefüge der Tourismusanbieter der letzte Knopf an der Hose ist. Zwei Wochen vor Abflug treibt die panische Angst vor Leerplätzen den Preis nach unten - lieber noch ein paar Mark kassieren als gar nichts. Und das soll Last Minute dem Kunden signalisieren.

SPIEGEL: Die Stiftung Warentest hat festgestellt, daß die Ersparnis bei Last-Minute-Reisen im Schnitt nur 15 Prozent beträgt. Trotzdem werben Anbieter mit angeblichen Preisnachlässen von bis zu 50 Prozent. Wäre es nicht sinnvoller, hier für strengere Regeln zu sorgen?

Kögel: Der Kurzfristmarkt ist zum orientalischen Basar geworden. Wir zumindest haben täglich Angebote, mit bis zu 50 Prozent Abschlag, aber auch 15 Prozent sind doch noch eine ordentliche Ersparnis.

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