Orkanfolgen Sturmflut federt den Streik ab
Hamburg - Ein Drittel der Züge im Hamburger Hafen hat wegen des Streiks im Güterverkehr Verspätung oder fällt ganz aus. Vor allem aus Ostdeutschland erreichen nach Angaben der Port Authority nur wenige Züge den Hamburger Hafen. Bei den Terminalbetrieben werden entsprechend weniger Container umgeschlagen.
Vor der norddeutschen Küste baut sich derweil eine schwere Sturmflut auf. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sagte für den gesamten Elbe- und Weserbereich sowie den Jadebusen Wasserstände bis zu drei Meter über dem mittleren Hochwasser voraus. Gegen 16 Uhr soll der Orkan Hamburgs Hafen mit voller Wucht erfassen.
Terminals schließen die Schotten
Die Terminals, an denen die Schiffe be- und entladen werden, müssen sich entsprechend abschirmen. "Mehrere Terminals der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) machen derzeit die Flutschutztore dicht", sagt Sprecher Florian Marten SPIEGEL ONLINE. Solange die Schotten dicht sind, können die Container weder rein noch raus.
In den norddeutschen Häfen, die ohnehin vom Streik im Güterverkehr gebeutelt sind, steigt der logistische Aufwand durch den Sturm weiter. Laut Andreas Brummermann, Hamburgs stellvertretendem Hafenkapitän, dürfte jedoch nicht gleich das große Chaos ausbrechen.
"Bei hohen Windstärken bleiben viele abfahrfertige Schiffe im Hafen liegen", erläutert er SPIEGEL ONLINE. "Kein Kapitän fährt gerne raus in den Sturm." Je länger das Schiff im Hafen liege, desto besser stünden die Chancen, dass Container, die durch den Streik mit Verspätung am Hafen eintreffen, es doch noch an Bord schaffen. Laut Hamburger Hafenbehörde haben manche Güterzüge bis zu zwölf Stunden Verspätung.
Anlegeverbot am Hamburger Hafen erwartet
"Eine Umleitung von Schiffen aus Rotterdam kommt also vorerst nicht in Frage", sagt Brummermann. Im Hamburger Hafen dürften große Containerschiffe ab Windstärke 7 nicht mehr anlegen. Eine Überlastung deutscher Häfen drohe vermutlich nicht. Gut möglich also, dass die Sturmflut den vom Streik betroffenen Terminals und Schifffahrtslinien mehr nützt als schadet. Das Nachsehen haben die Industriebetriebe, die durch die Ausfälle auf den Schienen und am Hafen noch mehr von der Versorgung mit Gütern abgeschnitten sind.
Die Folgen dürften sich aber in Grenzen halten, schätzt Brummermann. Viele Betriebe hätten aufgrund des Streiks ohnehin Gütervorräte angelegt. "Wir rechnen damit, dass der Orkan den Hafenbetrieb nicht länger als zwölf Stunden beeinträchtigen wird." Spätestens morgen früh um sechs, wenn der Streik im Güterverkehr endet, dürfte das Gröbste vorbei sein.
Mit Material von dpa