Ost-Einkommen: Streitfall Lohnanpassung - DER SPIEGEL
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Ost-Einkommen Streitfall Lohnanpassung

Vor den in Kürze beginnenden Tarifrunden mehrerer großer Branchen verschärft sich der Streit um die weitere Anpassung der Ost-Einkommen an das West-Niveau. Einige Forschungsinstitute wettern gegen neue Anpassungsschritte, die Gewerkschaften drängen auf einen schnellen Anschluss.
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Berlin - Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) plädiert dafür, dass die Tarifabschlüsse in Ostdeutschland keinesfalls über denen im Westen liegen sollten. In ihrem letzten gemeinsamen Bericht zur ostdeutschen Wirtschaft hatten das DIW, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Kieler Institut für Weltwirtschaft an die Tarifparteien appelliert, für die notwendige Kostenentlastung bei Unternehmen zu sorgen.

Die Annäherung der Ost-Löhne sei in den vergangenen zwei Jahren fast zum Stillstand gekommen, sagte dagegen Reinhard Bispinck vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der DGB-nahen Hans Böckler Stiftung am Donnerstag.

Bispinck erklärte, der Beschäftigungsaufbau werde nicht durch überhöhte Lohnkosten behindert. Kritiker sollten zur Kenntnis nehmen, dass im Osten bereits viel getan wurde, sagte er unter Hinweis auf die Öffnungs- und Härtefallklausel im Baugewerbe sowie in der Metallindustrie. Die steigende Arbeitslosigkeit im Osten sei auch auf den anhaltenden Stellenabbau im Öffentlichen Dienst und in der Bauwirtschaft zurückzuführen. Die Angleichung der Ost-Löhne dürfe nicht auf ewig verschoben werden.

1999 lagen die Ost-Löhne im Schnitt bei 91 Prozent des West-Niveaus, wobei sie je nach Branche zwischen 70 und 100 Prozent schwankten. Unter Berücksichtigung der längeren Arbeitszeit in den neuen Ländern - 39,2 Wochenstunden gegenüber 37,5 - sowie den geringeren Zusatzleistungen lagen die tatsächlichen Einkommen aber tiefer. Zudem ist die Tarifbindung im Osten weit niedriger als in den alten Ländern.

Anders als in den Vorjahren lag die Tarifsteigerung in den neuen Ländern 1999 im Durchschnitt nicht über der in den alten Ländern. Sie betrug laut WSI ebenfalls 3,0 Prozent, wobei es deutliche Abweichungen in einzelne Branchen gab. Immer mehr Ost-Unternehmen zahlen Vergütungen "unter Tarif".

Den Auftakt der Tarifverhandlungen macht im Februar der "Trendsetter" Metall- und Elektroindustrie. Als nächste große Branchen folgen der kämpferisch gestimmte Öffentliche Dienst und das krisengeschüttelte Bauhauptgewerbe.