PC-Firma Acer Mit einem Lächeln gegen den Marktführer
Taipeh - Wenn der schmächtige J. T. Wang mit seinem neuesten Kleinod für Fotografen posiert erinnert er trotz seines grauen Haares an einen Schuljungen, der seinen ersten Ranzen zeigt. Das verschmitzte, schüchterne Lächeln, das sein ganzes Gesicht erstrahlen lässt, unterstreicht den Eindruck.
Wang führt das neue Notebook "gemstone" vor, "Edelstein", und schwärmt von abgerundeten "opalesken" Kanten. Reine Power sei out, sagt er, der Konsument wolle "stylische, aufregende Produkte". Deshalb hat er sich Hilfe von einem Designunternehmen geholt, das sonst Autos für BMW entwirft. Das Logo seines Konzerns Acer "schwebe" nun wie ein Hologramm auf dem Deckel, lobt Wang - was nur mit viel Wohlwollen zu erkennen ist.
Es wäre dennoch falsch, den Acer-Chef zu unterschätzen. Unter seiner Ägide - 2001 wurde er Präsident, 2005 übernahm er den CEO- und Chairman-Posten - legte der taiwanische PC-Hersteller eine Entwicklung hin, die viele Analysten in fast kindliche Begeisterung versetzt.
"Ich verfolge Acer seit acht Jahren", schwärmt Kirk Yang, Managing Director bei Citi Investment Research in Hongkong. "Das war die beste Zeit der Unternehmensgeschichte." Auch mit dem neuen Ansatz, das Design zu stärken, liege Acer goldrichtig, fügt IDC-Analyst Bryan Ma hinzu: "Ich war beeindruckt von dem Notebook. Da plant Acer im richtigen Markt."
In der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) hat es das Unternehmen laut Gartner bei Laptops schon jetzt zum Marktführer gebracht, im Gesamt-PC-Bereich ist es dort nach HP die Nummer zwei. Unter den globalen Top-Produzenten hat sich Acer im ersten Quartal auf Platz drei vorgekämpft - am Erzkonkurrent Lenovo vorbei. Im vergangenen Jahr steigerte Acer den Umsatz um 16 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar. Dieses Jahr peilt Wang 20 Prozent an, die Verkäufe will er um 30 bis 40 Prozent steigern. Das wäre das Drei- bis Vierfache des Branchendurchschnitts.
Acer hat geschafft, was seine Konkurrenten teils noch vor sich haben. 1976 gegründet, produzierte das Unternehmen lange auch für andere Marken. Doch seit 2000 hat der PC-Hersteller ordentlich abgespeckt, sämtliche Randsparten verkauft und sich ganz auf das PC- und vor allem das Laptop-Geschäft konzentriert. Mit Gianfranco Lanci holte Wang sich 2005 bewusst einen Europäer als Präsidenten an seine Seite, der das operative Geschäft vor allem im Ausland steuert. Die Produktion lagerte Wang komplett an taiwanische Subunternehmer aus, die ihrerseits komplett in China fertigen lassen.
Bei den Preisen wenig Spielraum
Wang schwärmt ungeniert von den Vorteilen der Produktion auf dem benachbarten Festland. "Wenn Nachfrage und Angebot nicht stabil sind, kann man in China sehr schnell Tausende Arbeiter in einer Woche anheuern oder sie auch ohne jegliche Probleme wieder entlassen." Doch auch wenn die Konkurrenz nie derart ehrlich über die Produktionsbedingungen in China berichten würde, nutzt natürlich auch sie diese Vorteile. Und Acer stehen in diesem Jahr eine ganze Reihe von Herkulesaufgaben bevor.
Weil in der Branche pure Größe wichtig ist, hat Wang einen Zukauf angekündigt. Der noch nicht vollzogene Deal soll Acer im Geschäft mit Desktops stärken - doch Wang versichert sofort: Die Gerüchte über den Kauf des US-Konkurrenten Gateway seien falsch. "Wir wollen keine Übernahme, die starken Einfluss auf unsere Finanzstruktur hat."
Das Schicksal von Lenovo will Wang unter allen Umständen vermeiden. Nach der Übernahme der IBM -PC-Sparte 2005 bekamen die Chinesen lange Zeit weder ihre Kosten in den Griff noch führte der prestigeträchtige Name zu den erwünschten Imagegewinnen.
Die geplante Übernahme ist nicht die einzige Herausforderung, der Wang ins Auge sehen muss. Um seine ehrgeizigen Umsatzziele zu erreichen, muss er dringend auf dem amerikanischen Markt punkten - dort ist Acer noch ein No-Name. Knapp über zwei Prozent beträgt der Anteil der Taiwaner auf dem wichtigsten Markt der Welt.
Mitte der neunziger Jahre war ein erster Versuch, massenweise Acer-PCs auf dem US-Markt zu bringen, schon einmal zum Finanzdesaster geworden. Und Giganten wie Dell und Hewlett-Packard (HP) kämpfen mit harten Bandagen, wenn es um die Verteidigung des ureigensten Reviers geht. Vor einigen Wochen reichte Weltmarktführer HP Klage gegen Acer wegen vermeintlicher Patentrechtsverletzungen ein. Sollte der US-Riese gewinnen, würde das möglicherweise nicht nur beträchtliche Schadenersatzzahlungen nach sich ziehen, sondern auch das Verkaufsverbot für die betroffenen Modelle in den USA.
"Acer ist schneller und billiger"
Acer ist nicht unverwundbar, das gesteht auch Analyst Yang ein: Weil die Taiwaner ihre Computer ausschließlich über Zwischenhändler verkaufen, denen sie auch noch eine wesentlich höhere Gewinnbeteiligung zugestehen als die Konkurrenz, sind die Gewinnmargen hauchdünn. "Bei HP liegen sie bei vier bis fünf Prozent - bei Acer nur bei zwei Prozent", sagt Yang.
"Wenn irgendjemand einen Preiskrieg anfängt, ist bei Acer nicht mehr viel Platz nach unten." Trotzdem glaubt Yang fest an die Fähigkeiten Wangs und seines Adjutanten Lancis. "Acer ist schneller als andere, weil das Unternehmen näher bei den Produzenten sitzt. Und Acer-Computer sind preiswerter als die der Konkurrenz", sagt er. "Dieses Modell muss Acer jetzt nur noch auf die USA und China übertragen."
Wang zeigt sich sämtlichen Einwänden gegenüber ohnehin so unbeschwert, als spiele er nur Monopoly. "Die Menschen in den USA glauben, dass die Europäer den besseren Geschmack haben. Wenn Acer also den europäischen Kunden überzeugen kann, wird das auch mit dem amerikanischen gelingen", lautet seine Weisheit über den Angriff auf die USA.