Peinliche Panne: Toll-Collect droht Strafe wegen Datenklau - DER SPIEGEL
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Peinliche Panne Toll-Collect droht Strafe wegen Datenklau

Mitarbeiter von Toll Collect haben nach Auffassung des Landgerichts im großen Stil Daten von der Internetseite stadtplandienst.de geklaut. Dem Mautbetreiber drohen saftige Strafen, sollte dies nochmal vorkommen.
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Berlin - "In einer so dreisten Form habe ich das noch nie gesehen", sagt Hans Biermann, Alleinvorstand der Euro-Cities AG. Sein Unternehmen bertreibt die Internetseite stadtplandienst.de, auf dem Landkarten abgerufen und Routen geplant werden können.

Biermanns Mitarbeiter bemerkten am 4. und 5. Mai eine ungewöhnlich große Menge abgerufener Daten und fanden auch den Server, auf den der Datenstrom - Biermann zufolge rund 202 Megabyte - übertragen wurde. Die IP-Adresse des Servers ist für den Maut-Betreiber Toll-Collect registriert. Neben Stadtplänen von Stuttgart und Berlin sind Biermann zufolge auch Deutschlandkarten in vier Versionen auf den Server kopiert worden.

Der Euro-Cities-Chef, dessen Landkarten-Daten häufiger von den Betreibern anderer Internet-Seiten "übernommen" werden, setzte sich hin und rechnete. Insgesamt seien auf den Rechner von Toll Collect die Kartendaten für 6.600 Quadratkilometer geflossen, heißt es in einem Schreiben an den Maut-Betreiber. Bei einem Preis von 80 Euro pro Quadratkilometer errechne sich eine Schadenersatzforderung von 532.800 Euro.

Toll Collect ließ die in dem Brief gesetzte Frist verstreichen und der Fall landete vor Gericht. Am 20. Juli wurde Toll Collect vom Berliner Landgericht per einstweiliger Verfügung untersagt, jemals wieder Daten von stadtplandienst.de herunterzuladen. Bei Verstößen droht dem Maut-Betreiber in jedem einzelnen Fall ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

Nach Auffassung der Richter war die Nutzung der Daten von stadtplandienst.de in einer solchen Größenordung rechtswidrig. Außerdem konnten die Geschäftsführer von Toll Collect in der mündlichen Verhandlung den Vorwurf nicht entkräften, dass dabei professionelle Kopiersoftware genutzt wurde. (Geschäftsnummer: 16 O 312/04)

Toll Collect, hinter dem die Konzerne DaimlerChrysler  und Deutsche Telekom   stehen, legten Berufung gegen das Urteil ein. Ein neuer Verhandlungstermin vor dem Berliner Kammergericht stehe aber noch nicht fest, sagte eine Gerichtssprecherin. Ein Toll Collect- Sprecher verwies darauf, dass das Unternehmen täglich mit einem eigenen Team von 50 Mitarbeitern eine digitale Autobahnkarte erstelle und aktualisiere. "Wir brauchen kein Datenmaterial von Dritten", so der Sprecher. Zu dem laufenden Gerichtsverfahren wollte er sich nicht äußern.

Auch die Gegenseite denkt über weitere rechtliche Schritte nach. "Natürlich behalten wir uns jetzt eine Schadenersatzklage vor", ließ sich Euro-Cities-Anwalt Uwe Lehmann-Brauns in der "Welt am Sonntag" zitieren.