Pendolino: Pannen in Serie - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Pendolino Pannen in Serie

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Acht Jahre lang flitzte die erste Generation von Neigetechnik- Zügen nahezu reibungslos über die Schienen im Bayerischen Wald. Lediglich im Winter gab es einige Probleme mit vereisten automatischen Kupplungen. Dann aber wurden bei der fälligen Hauptuntersuchung der ersten von insgesamt 20 Triebwagen im Juli 2000 feine Risse an den nachträglich eingebauten Schlingerdämpfern entdeckt. Die Schlingerdämpfer sollen verhindern, dass sich der Pendolino in Kurven aufschaukelt.

Sieben Züge wurden ganz aus dem Verkehr gezogen. Bei den übrigen wurden die Schlingerdämpfer ausgebaut und die Höchstgeschwindigkeit von 160 auf 140 Kilometer pro Stunde reduziert. Die fehlenden Pendolinos mussten durch langsamere lokbespannte Züge mit Waggons aus den siebziger Jahren ersetzt werden. Der diffizile Taktfahrplan geriet ins Wanken. Immer häufiger klagten Reisende über Verspätungen, verpasste Anschlusszüge und mangelnden Komfort.

Die Bahn regierte mit einem Notfahrplan. Seit dem 5. November werden auf den Regionalexpress-Linien nach Bayreuth und Hof nur noch herkömmliche Züge eingesetzt, die zehn Minuten länger unterwegs sind. Die verbliebenen Pendolino-Züge wurden aus fahrplantechnischen Gründen auf die weitgehend eingleisigen Strecken Nürnberg-Weiden und Nürnberg-Schwandorf-Furth-im-Wald konzentriert.

Am vergangenen Freitag kam die nächste Hiobsbotschaft. In Absprache mit dem Eisenbahnbundesamt wurde die Höchstgeschwindigkeit der letzten neun Züge aus Sicherheitsgründen auf 100 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Die Maßnahme war nur von kurzer Dauer. Am Samstagabend bemerkte ein Lokführer Unregelmäßigkeiten an einer Achse. Bis die Ursache des Schadens geklärt ist, stellte die Bahn am Dienstag auch für die übrigen Triebwagen alle Signale auf Rot. "Sicherheit hat Vorrang", sagte Bahnsprecher Horst Staimer.