Peoplesoft-Chef Conway "Wir treten gegen SAP an"
SPIEGEL ONLINE:
Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet, dass der Markt für Unternehmenssoftware im Jahr 2004 stagniert. Ist ihre Prognose ähnlich düster?
Craig Conway: Wir sehen das anders. Ich glaube, dass der Markt um sechs bis zwölf Prozent wachsen wird. Der Grund ist, dass die Unternehmen eigentlich schon seit zwei Jahren neue Technologie-Investitionen planen. Aber die wirtschaftliche Lage war so schlecht, dass dies nicht möglich war. Unter sechs Prozent wird das Wachstum meines Erachtens nicht liegen, wegen dieser ganzen aufgeschobenen Ausgaben.
SPIEGEL ONLINE: Aber werden die Unternehmen wirklich noch mehr Geld für Unternehmenssoftware ausgeben? Jeder hat doch heutzutage Systeme für Ressourcenplanung (ERP), für das Management von Absatzkanälen (SCM) und die Verwaltung von Kundendaten (CRM).
Conway: Ich denke, die meisten Unternehmen haben noch kein ERP-System. Meist handelt es sich noch um alte, selbst gestrickte Software. CRM hat vielleicht eine Marktdurchdringung von 30 Prozent. Schon als ich 1999 zu Peoplesoft kam, wurde ich bei meiner ersten Telekonferenz mit Analysten gefragt: "Womit werden sie in Zukunft ihr Geld verdienen, jetzt, da jeder ERP hat?' Der Markt für Unternehmenssoftware ist immer noch sehr offen. Das ist eine Quelle weiteren Wachstums. Die andere sind mittelgroße Unternehmen, die in den meisten Fällen noch keine entsprechenden Softwarelösungen einsetzen.
SPIEGEL ONLINE: Werden sie Ihren Marktanteil weiter erhöhen können? Was ist ihr Ziel?
Conway: Das Ziel ist jetzt klar: Wir treten gegen SAP an und präsentieren uns als die starke, logische Alternative für Unternehmen weltweit, insbesondere in Europa. Wenn dies ein Wettlauf wäre, dann würde ich sagen, wir können SAPs Trikot von hinten sehen und wir glauben, dass wir aufholen werden. Es gibt einen Punkt, da wird man so groß, dass das einzig verbleibende Ziel lautet, der Größte zu werden. Das ist wie mit BMW und DaimlerChrysler. Was ist BMWs Strategie? Im Wettstreit mit dem größeren Unternehmen DaimlerChrysler besser zu werden. Wenn man ein gewisses Level erreicht und eine logische Alternative darstellt, dann muss man gegeneinander antreten.
SPIEGEL ONLINE: SAP befindet sich nicht in einem so beklagenswerten Zustand. Wie werden Sie SAP Marktanteile abnehmen?
Conway: In vielen Bereichen gleichen wir uns. Aber in einigen, sind wir besser - wahrscheinlich im Personalwesen - während SAP uns im verarbeitenden Gewerbe voraus ist. Eine Möglichkeit besteht folglich darin, dort besser zu werden, wo wir derzeit schwächer sind als SAP. Da hilft uns die Akquisition von J. D. Edwards - die haben weltweit mehr Kunden in der verarbeitenden Industrie als SAP. Zweitens haben SAP und Peoplesoft traditionell Großunternehmen bedient. Aber beide wenden sich jetzt den mittelgroßen Firmen zu.
SPIEGEL ONLINE: Das macht derzeit so ziemlich jeder. Da müssen sie sich mit SAP und Microsoft herumschlagen.
Conway: Der Markt mittelgroßer Unternehmen ist weitaus größer als der für Konzerne, da ist Platz zum Wachsen. Was uns von SAP unterscheidet ist, dass die mit einem neuen Produkt sowie einer neuen Systemarchitektur anfangen und keinen Kundenstamm haben. Unsere Architektur von J. D. Edwards wird bereits von 6000 mittelgroßen Unternehmen verwendet. Microsoft könnte auch Marktanteile gewinnen, aber wie auch in anderen Bereichen wird das sehr lange dauern. Das eröffnet SAP und Peoplesoft Chancen, denn wir werden beide vermutlich vor Microsoft am Start sein.
SPIEGEL ONLINE: Was ist mit Oracle? Die haben auch noch einen ansehnlichen Marktanteil.
Conway: Wenn Sie sich Oracles Lizenzeinnahmen bei Anwendungen anschauen, dann werden sie sehen, dass die früher bei 300 Millionen Dollar lagen. Im letzten Quartal waren es nur noch 107 Millionen. Unsere Lizenzeinnahmen sind inzwischen größer als Oracles. Ich glaube nicht, dass Oracle noch in der gleichen Liga spielt wie SAP und Peoplesoft, meiner Meinung nach bewegen sie sich weiter abwärts. Wir machen uns um Oracle keine Gedanken. Wir verlieren keine Marktanteile an Oracle. Wir verlieren an SAP, vor allem in Europa - allerdings gibt es auch Branchen, wo dies nicht der Fall ist. In den USA sind wir größer als SAP und weltweit liegen wir in sechs Branchen vorne.
SPIEGEL ONLINE: Neben Wettbewerbsvorteilen haben Sie der Wallstreet versprochen, dass die Fusion mit J. D. Edwards auch finanzielle Synergien bringt. Steht ihre Aussage noch, im kommenden Jahr 160 bis 205 Million Dollar einzusparen?
Conway: Ja. Am Donnerstag werden sie Zahlen zu Lizenzeinnahmen, Gesamtumsatz und finanziellen Synergien sehen.
SPIEGEL ONLINE: Gibt es noch Lücken in Ihrem Produktportfolio, die Sie durch weitere Akquisitionen füllen möchten?
Conway: Das war ja nur die jüngste, in den vergangenen zwei Jahren haben wir elf Akquisitionen getätigt. Heute ist unsere Produktlinie ziemlich lückenlos. Es gibt keine Produktkategorie von SAP, die Peoplesoft nicht hat. Das heißt nicht, dass wir keine weiteren Firmen kaufen werden. Auch wenn man das volle Sortiment anbietet, kann man noch stärker werden.
SPIEGEL ONLINE: Kommt da was Großes?
Conway: Falls sich Peoplesoft stärker im Technologiebereich engagieren wollte, mit eigenen Datenbanken und Applikationsservern, dann müssten wir vermutlich ein Unternehmen zukaufen, aber bei Softwareprodukten haben wir so ziemlich alles. Da geht es jetzt ums Feintuning.
Das Interview führte Thomas Hillenbrand
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