PeopleSoft-Übernahme Kartellrechtler empfehlen Klage gegen Oracle-Angebot
Washington - Die Anwälte der Kartellrechtsabteilung des amerikanischen Justizministeriums empfehlen nach Angaben des "Wall Street Journal" eine Klage gegen den geplanten Kauf PeopleSofts durch Oracle .
Oracle hatte bereits vor Monaten ein Übernahmeangebot unterbreitet. Auslöser war, dass PeopleSoft sich den kleineren Konkurrenten J. D. Edwards einverleibt hatte. Aufgrund dieser Fusion ist Oracle nach PeopleSoft nur noch der drittgrößte Hersteller von Unternehmenssoftware weltweit. Nummer eins ist das Walldorfer Unternehmen SAP .
Oracle will im Zuge seines feindlichen Übernahmeangebots 26 Dollar je Aktie oder 9,4 Milliarden Dollar für PeopleSoft zahlen. Das Unternehmen hatte zunächst 16 Dollar und dann 19,50 Dollar je Aktie für den Konkurrenten offeriert. Die PeopleSoft- Aktie notiert derzeit bei 21,69 Dollar.
Experten sehen Gefahr eines Monopols
Für die Vorentscheidung des Justizministeriums dürfte ausschlaggebend gewesen sein, dass es nach einer Fusion von Orace und PeopleSoft auf dem US-Markt nur noch zwei wesentliche Unternehmen gäbe: Oracle und SAP. Ellisons Unternehmen argumentiert, dass Microsoft ebenfalls in den Markt für Businesssoftware dränge, wodurch die Gefahr einer Monopolisierung derzeit nicht bestehe.
Die Empfehlung der Kartellrechtshüter geht jetzt an R. Hewitt Pate, den Leiter der Kartellabteilung des US-Justizministeriums. Er muss entscheiden, ob er die Empfehlung annehmen oder anders entscheiden will. Das Ministerium werde spätestens am 2. März seine Entscheidung treffen, so das "Journal". Auch die EU prüft den Zusammenschluss.
PeopleSoft-Chef Craig Conway hatte die Übernahme von Anfang an rundheraus abgelehnt. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass Oracle den Konkurrenten nach einer feindlichen Übernahme wohl zerschlagen würde. Zudem wird Conway, der früher bei Oracle arbeitete, ein schwieriges Verhältnis zu Ellison nachgesagt. Offiziell hatte PeopleSoft zudem immer wieder auf kartellrechtliche Bedenken verwiesen. PeopleSoft hatte auch das jüngste Oracle-Angebot als unzureichend abgelehnt und seinen Aktionären empfohlen, die Oracle-Offerte nicht anzunehmen.
Oracle glaube, dass die Fusion letztlich genehmigt werde, betonte Unternehmenssprecher Jim Finn. Es gebe viele Beispiele, in denen die Entscheidung von den Empfehlungen abgewichen sei, erklärte Oracle- Anwalt James Hill.
Thomas Hillenbrand