Personal-Hickhack Daimler stärkt Schrempp - und stoppt Bernhard
Stuttgart/New York - Nach anderthalb Stunden hat der Aufsichtsrat seine Sitzung im New Yorker Nobelhotel Waldorf-Astoria beendet. Hinterher teilte er mit: Wolfgang Bernhard, bisher als junger Management-Star des Konzerns gefeiert, wird nicht die Nachfolge von Jürgen Hubbert als Chef der Mercedes Car Group antreten. Hubbert bleibe bis auf weiteres Mercedes- Chef. Bernhard behalte sein Amt im Vorstand.
Bereits erwartet worden war, dass sich das Gremium hinter Schrempp stellen würde. So kam es dann auch: Schrempp bleibe Vorstandschef und genieße "volle Unterstützung", hieß es in einer Mitteilung. Der Aufsichtsrat um den früheren Deutsch-Banker Hilmar Kopper trage die Strategie Schrempps ohne Abstriche mit.
Die Kontrolleure haben damit einen Schlusstrich unter die Debatte um Schrempps mögliche Ablösung gezogen. Sie war vergangene Woche ausgebrochen, nachdem der Konzern beschlossen hatte, keine weitere finanzielle Hilfe an den japanischen Partner Mitsubishi zu zahlen. Nach Informationen des SPIEGEL war es im Vorstand zu einem Konflikt zwischen Schrempp und Kollegen gekommen.
Vor allem Hubbert und Finanzchef Manfred Gentz hätten sich gegen weitere Hilfen für Mitsubishi gewandt. Unter Führung von Hubbert und Gentz votierten weitere sechs Vorstände gegen eine weitere finanzielle Unterstützung. Schrempp hatte nochmals mindestens drei Milliarden Euro nach Tokio pumpen wollen.
Nach dem Veto seiner Kollegen sprach Schrempp zum ersten Mal, wenigstens verklausuliert, von Rücktritt. Auch Konzernstratege Rüdiger Grube, rechte Hand von Schrempp, und der für Asien verantwortliche Vorstand Eckhard Cordes sollen ihre Posten zur Disposition gestellt haben.
Finanzchef Gentz bemühte sich jetzt, Differenzen mit Schrempp vergessen zu machen. Kurz vor der Aufsichtsratssitzung sagte er bei einer Telefonkonferenz: "Der gesamte Vorstand unterstützt den Vorsitzenden voll und ist ihm gegenüber absolut loyal."
Gentz lehnte es aber auch auf wiederholte Nachfragen ab, zu Meinungsunterschieden im Vorstand Stellung zu nehmen. "Wir diskutieren in der Öffentlichkeit keine abweichenden Meinungen oder Vereinbarungen. Es gibt keinen Anlass, irgendetwas dazu zu erklären."
Mit dem Beschluss, den bisherigen Chrysler-Geschäftsführer Bernhard doch nicht zum Mercedes-Chef zu berufen, hat sich DaimlerChrysler ein bedeutendes neues Personalproblem aufgehalst. Bernhard, 43, war seit Monaten designierter Nachfolger Hubberts, 64, der in Pension gehen wollte.
Hubbert sagte am frühen Abend, zwischen ihm und Bernhard habe es erhebliche Differenzen über die strategische Ausrichtung von Mercedes gegeben. Er sprach von "sehr gravierenden Auffassungsunterschiede über die Zukunft".
Auch die Vertreter der Arbeitnehmer und später auch der leitenden Angestellten hätte sich zunehmend kritisch über Bernhard geäußert, der als harter Sanierer gilt. Dabei sei es auch um die Frage gegangen, wohin es mit der Marke Mercedes gehen sollte, so Hubbert. Wie es mit Bernhard weitergehe, werde im Vorstand und Aufsichtsrat beraten.
Der Gesamtbetriebsrat hat die Entscheidung gegen Bernhard denn auch begrüßt und den Manager scharf kritisiert. "Die Arbeitnehmervertretung hat ein hohes Interesse daran, dass die Mercedes Car Group weiter erfolgreich geführt wird. In der letzten Zeit haben sich Bedenken ergeben, ob Dr. Bernhard diese Erwartungen erfüllen kann", teilte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm mit. Zweifel hätten unter anderem an der Fähigkeit des 43-Jährigen bestanden, mit den Betriebsräten konstruktiv zusammenzuarbeiten.