Personal-Karussell ProSiebenSat.1-Chef Rohner schmeißt hin
München - Offiziell ist davon die Rede, die Trennung erfolge einvernehmlich und auf Wunsch Rohners. Der 44-Jährige habe sich entschieden, die Senderfamilie Ende April zu verlassen und zu einem schweizerischen Großkonzern zu wechseln.
Nachfolger Rohners wird der Belgier Guillaume de Posch. Der 46-Jährige hatte schon seit September 2003 das operative Geschäft der Sendergruppe geleitet. Neben ProSieben und Sat.1 gehören auch die Sender Kabel 1 und N24 zum Konzern. Die Aktie von ProSiebenSat.1 gewann im Tagesverlauf kontinuierlich und lag zuletzt bei 14,98 Euro, ein Plus von rund vier Prozent.
Über einen Weggang Rohners war seit einiger Zeit spekuliert worden, nachdem der größte private TV-Konzern Deutschlands durch den US-Investor Haim Saban übernommen worden war. Saban hatte schon kurz darauf Veränderungen im Vorstand durchgedrückt. Im November und Dezember 2003 waren die Vorstände für Fernsehen und Information, Ludwig Bauer und Claus Larass, ausgeschieden. Rohners Vertrag war dagegen vorzeitig bis Ende 2006 verlängert worden. Rohners Nachfolger Posch gilt als Vertrauter des Amerikaners.
Brancheninsider berichteten, Rohner habe schon in den vergangenen Monaten wenig zu sagen gehabt. Mit der jüngsten Vertragsverlängerung habe man sich bei ihm für bisherige Dienste bedanken wollen, sein Abschied sei schon absehbar gewesen.
"International einzigartig"
Rohner hatte den Posten des Vorstandschefs, zunächst nur von ProSieben, im Februar 2000 übernommen. Unter seiner Führung habe sich die ProSiebenSat.1-Gruppe in den vergangenen zwei Jahren trotz der Insolvenz der KirchGruppe und des schwierigen Marktumfelds behauptet und weiterhin schwarze Zahlen geschrieben. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Rohner den Gewinn der Gruppe verdreifacht. Der Abstand, der Sat.1 von Marktführer RTL trennt, hat sich indes unter Rohners Führung vergrößert.
Laut einer Pressemitteilung von ProSiebenSat.1 dankte Saban dem ausscheidenden Rohner für seine Arbeit. "Mit der Fusion von ProSieben und Sat.1 hat er in den vergangenen vier Jahren eine international einzigartige Senderfamilie geschaffen." Saban sagte, er bedauere Rohners Entscheidung, die Gruppe zu verlassen.
Sprachprobleme zu erwarten
Im Dezember hatte Rohner nach Einschätzung von Branchenkennern noch den Rauswurf des Sat.1-Chefs Martin Hoffmann veranlasst. Hoffmann wurde durch Roger Schawinski ersetzt, ebenfalls ein Schweizer. Einige Aufsichtsräte monierten damals, sie seien von Rohner übergangen worden. Der Geschasste Hoffman galt als Förderer und Freund des Sat.1-Stars Harald Schmidt. Dieser hatte kurz nach Hoffmanns Entlassung bekannt gegeben, er wolle seine Late-Night-Show aufgeben. Nach Hoffmanns Abgang hatte Rohner die Verhandlungen mit Schmidt geführt, ihn aber nicht zum Bleiben veranlassen können.
Branchenbeobachter berichten, Saban habe eine Zeit lang an Rohner fest gehalten, weil er Investoren nicht verunsichern wollte. Zudem habe er Rohner gebraucht, um eine Kapitalerhöhung um 280 Millionen Euro durchzubringen. Der Aktienkurs hat sich in den letzten Monaten leicht verbessert. Außerdem mangelte es Saban zunächst an Alternativen. Die erfahrenen TV-Manager Gerhard Zeiler (RTL) und Georg Kofler (Premiere) hatten für den Posten abgesagt.
Rohners nun ernannter Nachfolger Posch hatte nach dem Studium der Betriebswirtschaft seine Karriere beim Energie- und Dienstleistungskonzern Tractebel begonnen. Nach einem Zwischenspiel bei McKinsey wechselte er zur CLT (heute: RTL Group) nach Luxemburg. Er arbeitete zunächst als Assistent der Geschäftsführung und übernahm dann die Verantwortung für die TV-Aktivitäten der CTL in den französischsprachigen Ländern. Seit 1997 war er stellvertretender Geschäftsführer und Programmverantwortlicher des Pay-TV-Unternehmens TPS in Frankreich. Er gilt denn auch als Experte für Bezahlfernsehen. Falls es zu einer Fusion von ProSiebenSat.1 und Premiere kommen sollte, wie Saban sie gegen den Willen des Premiere-Chefs anstrebt, könnte diese Expertise sehr nützlich sein.
In Branchenkreisen galt die Berufung Poschs daher auch als nachvollziehbar. "Er hat bei vielen Themen Know-how mitgebracht und sich schnell eingearbeitet", sagt ein Unternehmenskenner. Man müsse aber abwarten, wie viel Verständnis er für die Besonderheiten des deutschen Markts habe und ob es ein Sprachproblem gebe. Posch versteht Deutsch, bei der Bilanz-Pressekonferenz vor einigen Wochen beantwortete er die Fragen aber lieber auf Englisch.