Personalflop Top-Kandidat gibt Commerzbank einen Korb
Frankfurt am Main - Der Favorit für den demnächst vakanten Posten des Sparten-Vorstands, Wolfgang Matis, habe der Bank abgesagt, schreibt die "Financial Times Deutschland". "Er bleibt bei der Deutschen Bank", zitiert die Zeitung Finanzkreise.
Auch die Nachrichtenagentur Reuters meldete, Matis wolle das Stellenangebot voraussichtlich ablehnen. "Es ist sehr zweifelhaft, dass er kommt", zitiert Reuters eine anonyme Quelle. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hätte damit bei seinen Umbauplänen für das Investmentbanking einen Rückschlag erlitten.
Müller will die Investmentbanking-Sparte in den nächsten Wochen enger mit dem Firmenkundengeschäft verzahnen und Randgeschäfte abstoßen. Die Deutsche Bank bemüht sich aber, Matis zu halten. Jürgen Fitschen, Mitglied im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank und Chef des Deutschland-Geschäfts, will Matis laut "FTD" zu seinem Stellvertreter machen. Derzeit ist Matis für das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren verantwortlich.
Zu klein, zu verstreut
Matis sollte bei der Commerzbank Mehmet Dalman folgen, der seinen Posten als Investmentbank-Chef verlässt. Der 46-jährige, gebürtige Zyperer gehörte seit 2001 dem Vorstand der Commerzbank an und gilt in der Bank mit ihren deutschen Wurzeln als schillernde Figur.
Branchenbeobachter halten das Investmentbanking der Commerzbank für zu klein, um international konkurrenzfähig zu sein. Es gilt gleichzeitig als zu ineffizient organisiert und geografisch verstreut, um als schlagkräftige, effiziente Einheit agieren zu können. Die viertgrößte deutsche Bank hat daher ein Beratungsunternehmen damit beauftragt, Vorschläge zur Neuaufstellung des Bereichs zu machen. Ergebnisse werden jedoch nicht vor Ende Oktober erwartet.
Im Investmentbanking, zu dem unter anderem der Wertpapierhandel und Beratung bei Übernahmen zählen, beschäftigt die Commerzbank rund 1250 Mitarbeiter, die meisten davon in London. Nach Medienberichten prüft die Commerzbank, sich von den meisten ausländischen Investmentbanking-Aktivitäten zu trennen.