Philipp Johannes: Manuela hält es nicht mehr aus - DER SPIEGEL
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Philipp Johannes Manuela hält es nicht mehr aus

Porträt: Bank of America, Bank of Tokio, IBM und Schluss Philipp Johannes, 47, bekommt eine Absage nach der nächsten. Seine ehemalige Kollegin Manuela hat entnervt den nächstbesten Job angenommen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

21. August 2002

Die Firma Merck Darmstadt hat meinen Personalberater vertröstet - man wird auf ihn zukommen, eventuell benötigt man weitere Informationen zu meiner Person... Die könnten doch auch gleich klar absagen. Auch die Genobank Mainz schickt die erwartete Absage: "die Gründe unserer negativen Entscheidung liegen nicht in Ihrer Person begründet ..." - Ja, um Himmels willen, worin denn?

20. August 2002

Manuela - eine Ex-Kollegin und diplomierte Bankfachwirtin - jobbt nun ab dem ersten September als Taxifahrerin; sie kann nicht mehr zu Hause bleiben - die Decke fällt ihr auf den Kopf. Die Reduktion der Arbeitslosenunterstützung nimmt sie in Kauf.

Was für ein Glück, denke ich, das ich meine beiden Hunde Amadeus und Nora (Neufundländer) habe, da ist immer was zu tun, die halten mich schon auf Trab. Beide genießen die Zeit, die ich in den letzten Monaten mit ihnen verbracht habe.

19. August 2002

Ich lese das Buch "Praxis des Cash Managements". Auf dem Niveau von Ende 2001 will ich nicht stehenbleiben - Weiterbildung ist eine willkommene Abwechslung in der Tristesse der Jobsuche.

Manchmal überfällt mich schon der Gedanke: "Wie geht es nach dem Ende des Arbeitslosengeldes im April 2003 weiter". Offensichtlich gewöhne ich mich an die Tatsache, länger arbeitslos zu sein.

14. August 2002

Ein halbes Jahr der Arbeitslosigkeit ist vorüber - gar nix, aber auch gar nix wirklich Interessantes am Markt präsent...

34 Bewerbungen habe ich abgeschickt - alle ohne Erfolg. Bei den wenigen Vorstellungsgesprächen hielt man mich für zu alt und/oder zu teuer. Keiner sagt es direkt - zwischen den Zeilen war es aber deutlich zu hören.

Strukturvertriebe tue ich mir nicht mehr an - das eine Erlebnis reicht vollkommen. Ich bin Bankkaufmann mit 17 Jahren Führungserfahrung und nachweisbaren Erfolgen im Management von Projekten...

Selbstzweifel plagen mich wieder: Wieso bin ich zu alt, 47 Jahre ist doch kein Alter, bis 65 sind es noch 18 Jahre. Was zählt es noch, wenn man Experte für den nationalen und internationalen Zahlungsverkehr ist, jahrelang erfolgreich in Auslandsbanken gearbeitet hat und Abteilungsleiter war?

Schluss, genug der düsteren Gedanken - ran an die Arbeit, ran an das Internet ...

Eine Jobofferte steht heute Morgen im jobpilot.de - Merck Darmstadt sucht einen für das Cash Management. Sofort rufe ich meinen Personalberater an und informiere ihn; er hat das Angebot bereits gesehen und meine Unterlagen an die Personalabteilung von Merck gesendet. Gut, der Mann ist gut, denke ich.

Doch es wird wohl wieder nichts werden, man sucht dort einen Bankkaufmann mit BWL-Studium. Das habe ich nicht - damals - in meiner Jugend - war ich Devisenhändler. Ich habe für meine Bank Geld verdient und natürlich auch für mich. Für ein Studium hatte ich keine Zeit, keine Lust mehr nach Zwölf-Stunden-Tagen.

Die Post bringt mir einen Brief vom Arbeitsamt: Geno Bank Mainz sucht einen Mitarbeiter für den Schalterdienst ... Soll ich für so viel weniger Geld arbeiten? - da hätte ich mir alle Schulungen, Seminare, Workshops und Kurse ersparen können.

Doch halt, die Rückseite des Schreibens belehrt mich: Ich muss mich bewerben und werde es heute Nachmittag tun. Bewerbe ich mich nicht, muss ich mit drei Monaten Sperre rechnen. Ehrlich gesagt hoffe ich, auch für diesen Job zu alt zu sein und eine Absage an das Arbeitsamt zurücksenden zu können ...