Piloten bringen die Lufthansa-Aktie ins Trudeln - DER SPIEGEL
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Piloten bringen die Lufthansa-Aktie ins Trudeln

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - An den Aktienmärkten wird die Haltung der Lufthansa im Tarifstreit mit ihren Piloten als Versuch bewertet, keinen Präzedenzfall für andere Beschäftigtengruppen zu schaffen. "Es ist auch ein Signal zum innerbetrieblichen Frieden", sagte Frank Diergardt, Aktienhändler bei Sal. Oppenheim. Wenn den Piloten die geforderte Lohnerhöhung von durchschnittlich 35 Prozent zugestanden werde, könne dies auch Begehrlichkeiten etwa beim Bodenpersonal wecken. "Da muss man aufpassen, dass man sich nicht zu leicht den Forderungen hingibt", sagte Diergardt.

Die Tarifverhandlungen zwischen der Pilotenvereinigung Cockpit und der Lufthansa waren am Mittag ergebnislos abgebrochen worden. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben zuvor eine gegenüber dem letzten Angebot verbesserte Offerte vorgelegt. Cockpit forderte zuletzt nach eigenen Angaben Lohnsteigerungen von linear 24 Prozent.

Die größte deutsche Fluggesellschaft versucht mit ihrer Haltung im Tarifstreit nach Einschätzung von Händlern zudem, den gegenüber anderen Fluglinien bestehenden Kostenvorteil zu erhalten. Die Lufthansa sei vor allem wegen der vergleichsweise niedrigen Pilotengehälter so profitabel, sagte ein Händler. Diergardt sagte, die geforderte Gehaltserhöhung für die Piloten könne die Lufthansa bis zu einem Drittel ihres Gewinns kosten, "Da kämpft man um jeden Meter."

Die Aktien der Lufthansa rutschten am Mittwochnachmittag in einem schwachen Gesamtmarkt um 2,2 Prozent auf 21,37 Euro, nachdem die Fluggesellschaft mitgeteilt hatte, die Tarifverhandlungen mit der Pilotenvereinigung Cockpit seien ergebnislos abgebrochen worden. Der Dax verbuchte zur selben Zeit einen Abschlag von 1,63 Prozent. Ein Streiktag koste die Lufthansa 50 Millionen Mark, sagte ein Händler, und diese Aussicht drücke auf den Kurs.

Uneinig zeigten sich Händler über die langfristigen Auswirkungen der Streiks. Eine Händlerin sagte, sie rechne nicht damit, dass der Gesellschaft die Passagiere davonliefen oder das Image der Aktie nachhaltig beeinträchtigt werde. Ein anderer Händler sagte dagegen: "Die Lufthansa ist ein unkalkulierbares Risiko eingegangen. Am Ende wird es nur einen großen Verlierer geben, und das ist die Lufthansa."