Piloten-Streik Das 24-Stunden-Chaos hat begonnen
Frankfurt am Main - Reisende innerdeutscher Verbindungen wurden aufgerufen, die Bahn zu benutzen. Die Lufthansa will die wichtigsten Zubringerflüge mit einem Notflugplan sicher stellen. Nach Angaben der Pilotenvereinigung Cockpit trifft der Streik auch die Ferienfluggesellschaft Condor und die Frachttochter Lufthansa Cargo. Den ganzen Tag über wird mit chaotischen Zuständen auf deutschen Flughäfen gerechnet.
Am Frankfurter Rhein-Main-Flughafen wurden nach Angaben eines Flughafensprechers bis 07.00 Uhr 48 Flüge gestrichen. In Berlin-Tegel fiel etwa die Hälfte der Flüge aus. Die Pilotenvereinigung Cockpit erwartet, dass bis zu 1000 der 1100 Lufthansa-Passagierflüge ausfallen, die Lufthansa will jedoch 60 Prozent der Verbindungen sicherstellen. Künftig wollen die Piloten jeden Donnerstag streiken, wenn sie ihre Forderungen nach über 30 Prozent mehr Gehalt nicht durchsetzen können.
Hälfte der Frankfurter Interkontinentalflüge soll starten
Die Lufthansa will mit Hilfe von so genannten Managementpiloten wichtige Verbindungen zwischen Frankfurt, München, Berlin und Hamburg aufrechterhalten. Sie hat die Passagiere auf innerdeutschen Routen aber gebeten, auf die Bahn auszuweichen. In Frankfurt, am größten deutschen Flughafen, sollten 23 von 49 Interkontinentalflügen starten. Auch Verbindungen in Ferienregionen der Lufthansatochter Condor waren von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Condor hatte jedoch acht Flüge auf den Vorabend vorgezogen. Bei der Frachttochter Cargo läuft der Betrieb nach Angaben einer Sprecherin planmäßig.
An den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden blieben am Morgen fast alle Lufthansa-Flieger am Boden. Am Hamburger Flughafen wurden die Flüge LH 818 nach München und LH 291 nach Frankfurt ersatzlos gestrichen. Flieger in die gleiche Richtung hoben auch vom Flughafen in Hannover nicht ab. In Düsseldorf fielen 16 Lufthansa-Flüge am Morgen aus. Auf den bayerischen Flughäfen führte der Streik zum Ausfall von mehr als 30 Flügen. Nach Angaben des Flughafen München sind bisher alle Starts und Landungen von Lufthansa Maschinen betroffen. Auch die Nachtpostmaschine konnte nicht starten. Am Münchner Airport erwartet man, dass durch den Streik über 300 Flüge am Donnerstag ausfallen werden.
Geschätzter Streikausfall: 50 Millionen Mark
Die Lufthansa rechnet durch den Streik mit einem Schaden von mindestens 50 Millionen Mark. Kritik am Streik der Piloten kam vom Lufthansa-Gesamtbetriebsrat. Der Betriebsfrieden in dem Unternehmen sei in Gefahr, sagte Gesamtbetriebsratschef Wolf Liebetrau. Bereits am vergangenen Freitag hatten die Piloten ihre Arbeit für zwölf Stunden niedergelegt, mehr als 300 Flüge fielen aus.
Harsche Kritik an dem neuen Streik der Piloten übte die Deutsche Lufthansa AG und brachte dies am Donnerstag in ganzseitigen Zeitungsanzeigen zum Ausdruck. Durch derartige Aktionen würden vor allem die Passagiere in Mitleidenschaft gezogen, heißt es darin. Man sei weiterhin dialogbereit und suche eine Lösung am Verhandlungstisch.
Notflugplan im Internet
Für den Notflugplan, den die Lufthansa in ganzseitigen Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen und im Internet (www.lufthansa.com) veröffentlichte, werden etwa 80 so genannte Management-Piloten eingesetzt. Sie sind normalerweise für Sonderaufgaben - etwa in Verwaltung oder Technik - zuständig. Von Frankfurt aus sollen mehrere europäische und interkontinentale Ziele erreicht werden. Verbindungen mit Lufthansa-Flugnummern von Partnern der Star Alliance oder etwa Eurowings sollen vom Streik nicht betroffen sein.
Die Piloten seien entschlossen, für die geforderten Einkommensverbesserungen zu kämpfen, sagte Niels Stüben von der Tarifkommission der Pilotenvereinigung Cockpit. In der Tarifauseinandersetzung verlangen die 4200 Piloten und Copiloten Einkommenserhöhungen von mehr als 30 Prozent.
Die Tarifgespräche für die Piloten waren am Mittwoch abgebrochen worden, ohne dass ein neuer Termin vereinbart wurde. "Das Angebot der Lufthansa und unsere Forderung sind riesenweit voneinander entfernt", sagte Rüdiger Fach, Mitglied der Cockpit-Tarifkommission. Anscheinend habe die Lufthansa erst spät erkannt, wie ernst die Forderungen seien. Das Angebot der Geschäftsleitung entspreche über die vorgeschlagene Laufzeit von vier Jahren einer Erhöhung der Festvergütung um etwa zwei Prozent.
Die Lufthansa hatte nach eigenen Angaben zuletzt für dieses Jahr eine Steigerung um durchschnittlich 10,6 Prozent im Grundgehalt und eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern angeboten. Beide Bestandteile zusammen genommen, entspräche dies laut Lufthansa einem Einkommensplus zwischen 22 und 36 Prozent für 2001.