Pilotenstreik: Über 800 Flüge ausgefallen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Pilotenstreik Über 800 Flüge ausgefallen

Der längste Streik in der Lufthansa-Geschichte läuft ganz nach dem Geschmack der Piloten-Gewerkschaft. Doch echtes Chaos gibt es am deutschen Flughafen nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der 24-stündige Ausstand, der noch bis Mitternacht andauert, verursachte am Donnerstag auf allen deutschen Flughäfen massive Störungen. Das befürchtete Chaos blieb allerdings aus.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit wertete die Aktion als Erfolg. Man werde es schaffen, wie geplant 1000 Flüge ausfallen zu lassen. Bis zum späten Nachmittag waren bereits über 800 Passagierflüge am Boden geblieben, wie die Lufthansa mitteilte. 65.000 Passagiere waren betroffen. Erst am Freitag sei mit einer Normalisierung des Betriebs zu rechnen.

"Die Zahlen sind schon dramatisch", räumte Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther ein. Die Lufthansa rechnet mit einem Schaden von 50 Millionen Mark.

Auf allen deutschen Flughäfen mussten die Passagiere teils stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen, Lufthansa-Mitarbeiter verteilten Getränke. Viele Reisende stiegen in Züge um. Die Deutsche Bahn verlängerte wegen der höheren Nachfrage drei Fernzüge um weitere Waggons. Von dem Streik betroffen waren auch die Lufthansa-Töchter Condor und Lufthansa Cargo, die etliche Flüge auf den Mittwochabend vorgezogen hatten.

130 Maschinen mit 12.000 Passagieren seien nach einem Notflugplan, der in vielen Tageszeitungen abgedruckt war, gestartet, teilte die Lufthansa mit. Vom Frankfurter Flughafen seien mehrere Ziele in Europa und Übersee angeflogen worden. Wie der Reisekonzern C&N Touristic mitteilte, sollten alle 8500 Condor-Passagiere trotz möglicher Verspätungen in ihre geplanten Urlaubsorte kommen. Fluggäste seien auf Charterflüge etwa von LTU oder Hapag Lloyd umgebucht worden.

Noch kein Termin für Tarifgespräche

Cockpit-Sprecher Georg Fongern sagte, es gebe Anzeichen für ein baldiges Ende im Tarifstreit. Die Einigung werde voraussichtlich noch vor dem nächsten geplanten Streik am kommenden Donnerstag erzielt, dafür gebe es Signale. Eine Lufthansa-Sprecherin bekräftigte die Bereitschaft des Unternehmens, nach dem jüngsten Angebot weiterzuverhandeln. Doch einen neuen Termin für Tarifgespräche gab es vorerst nicht.

Cockpit fordert für seine rund 4200 Mitglieder Einkommensverbesserungen von mehr als 30 Prozent. Die Lufthansa hatte zuletzt für dieses Jahr eine Steigerung von durchschnittlich 10,6 Prozent im Grundgehalt und eine Ergebnisbeteiligung von zwei Monatsgehältern angeboten. Die Tarifgespräche waren in der Nacht zu Mittwoch abgebrochen worden.

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung hatte der Streik zumindest für die Passagiere anderer Fluggesellschaften ein Gutes: Dank ausgefallener Lufthansa-Flüge habe es weniger Verspätungen bei anderen Airlines gegeben.