Pixelpark Betriebsrat zieht vor Gericht
Berlin - Kaum eine Woche nach seiner Gründung zieht der neu gewählte Betriebsrat deshalb jetzt vor Gericht. Eine Entscheidung wird schon in der nächsten Woche erwartet.
"Nach unserer Überzeugung handelt die Geschäftsführung rechtswidrig, wenn sie die Leute entlässt, ohne vorher über einen Interessensausgleich gesprochen zu haben", erklärt Katja Karger. Nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden verweigert die Geschäftsführung jedes Gespräch darüber, wie die Entlassungen für die Betroffenen abgefedert werden könnten. "Die ganze Vorgehensweise erscheint uns planlos und willkürlich."
Die Informationspolitik trage auch erheblich zur Verunsicherung derjenigen Mitarbeiter bei, die noch nicht von einer Kündigung betroffen seien. Jeder befürchte, am nächsten Tag zu einem Gespräch gebeten zu werden.
"Gern würden wir die Position des Betriebsrats teilen, was uns aber leider nicht möglich ist", reagiert Pixelpark-Sprecherin Sabine Klisch auf die Vorwürfe. "Wir haben unsere Position juristisch sorgfältig geprüft." Im Falle einer Einstweiligen Verfügung wolle das Unternehmen die Gespräche über Aufhebungsverträge einstellen. Man gehe aber nicht von einer solchen Entscheidung aus. Das Angebot, mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan zu verhandeln, bestehe auch weiterhin.
Vergangene Woche hatte Pixelpark-Chef Paulus Neef angekündigt, rund ein Fünftel der Belegschaft - rund 200 Mitarbeiter - zu entlassen. Die Entlassungen seien notwendig, um noch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben zu können, sagte eine Sprecherin.
Zurzeit ist die Multimedia-Agentur von diesem Ziel noch weit entfernt. Bei einem Umsatz von 26,1 Millionen Euro in den ersten drei Monaten dieses Jahres betrug der Verlust nach Abschreibungen rund 25,3 Millionen Euro.
Die Hoffnung der Belegschaft richtet sich jetzt auf Mehrheitsaktionär Bertelsmann, von dem der Druck auf Pixelpark ausgeht. "Bei Bertelsmann existiert eine lange gewachsene Unternehmenskultur, da müssten sich doch Möglichkeiten für die Betroffenen finden lassen", erklärt Karger. Seit Dienstag besteht wenigstens die Aussicht, dass die Probleme professionell behandelt werden. Als Ansprechpartner für den Betriebsrat steht inzwischen ein Interimsvertreter des Gütersloher Medienriesen zur Verfügung.