Pixelpark: Noch ein Stern verglüht - DER SPIEGEL
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Pixelpark Noch ein Stern verglüht

Pixelpark-Chef Paulus Neef, einst schillernder Star unter den Unternehmern am Neuen Markt, muss jetzt kleine Brötchen backen. Bereits zum zweiten Mal in Folge enttäuschte die Multimedia-Agentur mit schlechten Zahlen. Mehrheitsaktionär Bertelsmann bereitet den Ausstieg vor.
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Berlin - "Pixelpark rückt in die Weltliga vor", titelte die "Frankfurter Allgemeine" noch vor einem Jahr. Damals hatte Neef den Zusammenschluss mit den beiden schwedischen Internetfirmen Cell Network AB und Mandator angekündigt. Nach der Übernahme hätte Pixelpark in Niederlassungen in ganz Europa rund 2300 Mitarbeiter beschäftigt. "Wir werden zum Marktführer der europäischen Internet-Industrie", tönte der Posterboy der deutschen Gründerszene vollmundig.

Zwei Wochen später war alles Makulatur: Die Schweden wollten nachverhandeln und im neuen Unternehmen die Führung übernehmen. Neef brach alle Gespräche ab, plante aber weiter weltweites Wachstum. Bei der Vorstellung der Geschäftsergebnisse für das Geschäftsjahr 1999/2000 im September vergangenen Jahres verkündete Pixelpark noch eine Verdreifachung des Umsatzes und für das 2. Quartal 2000 sogar erstmals einen Gewinn. Für das nächste Jahr peilten die Berliner eine Umsatzverdoppelung an.

Doch im Herbst 2000 gab es erstmals Gerüchte, dass sich die Stimmung zwischen Paulus Neef und Bertelsmann-Vorstand Klaus Eierhoff drastisch verschlechtert hatte. Der Gütersloher Medienkonzern war bereits 1996 bei Pixelpark eingestiegen und hielt nach dem Gang der Multimedia-Agentur an den Neuen Markt 1999 weiterhin 60 Prozent des Unternehmens. Neef fühle sich von Eierhoff, der bei Pixelpark dem Aufsichtsrat vorsitzt, gegängelt, hieß es. Auch mit Planzahlen wurden die Berliner zunehmend vorsichtig.

Anlaufverluste in den USA in Höhe von 3,8 Millionen Euro; Gerüchte, Bertelsmann wolle seinen Pixelpark-Anteil an die Deutsche Telekom verkaufen, eilig dementiert; die Aktie im Sinkflug - seit Monaten reißt nun der lange Reigen der Negativnachrichten nicht mehr ab. Bereits Anfang Februar schraubte der Internetdienstleister seine Prognosen für Ergebnis und Umsatz erheblich nach unten, damit lag man drastisch schlechter als von den Analysten erwartet.

Viel zuviel Geld geht derzeit für neue Standorte und die Eingliederung von zugekauften Unternehmen drauf. Insider berichten, dass die Agentur das rasante Wachstum der Beschäftigtenzahl nicht verkraftet habe. Zudem leidet Pixelpark, wie der Rest der Branche, unter der geringeren Kundennachfrage.

Nach einer erneuten Korrektur lag im Rumpfgeschäftsjahr 2000 (Juli bis Dezember) der Umsatz statt bei 55 Millionen nur bei 52,5 Millionen Euro. Der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag bei zehn Millionen statt wie bislang angenommen bei 5,9 Millionen Euro. Die meisten Analysten zweifeln inzwischen an der Zukunft des ehemals gefeierten Stars der New Economy. Merck Finck & Co. und Dresdner Kleinwort Wasserstein stuften die Pixelpark-Aktie zuletzt auf "Underperformer" und "Reduzieren". Vor einem Jahr war das Papier noch 180 Euro wert gewesen, jetzt dümpelt der Kurs bei 6,50 Euro.

Inzwischen gilt es als sicher, dass Bertelsmann sich langsam aus Pixelpark zurückziehen will. Das Engagement bei Pixelpark "schließt nicht aus, dass sich Bertelsmann langfristig für die Aufnahme eines strategischen Partners in den Gesellschafterkreis entscheidet", teilte Aufsichtsratschef Eierhoff Anfang März mit. Im Zuge der Konzentration auf Medieninhalte verkauften die Gütersloher bereits ihren Netzwerkdienstleister Mediaways an Telefónica. Nun kursieren Gerüchte, die Spanier könnten sich auch für Neefs Unternehmen interessieren.

Vor einem Verkauf muss die angeschlagene Agentur allerdings erst wieder attraktiv werden. Das Unternehmen kündigte jetzt ein Effizienzprogramm an. Es soll kurz- bis mittelfristig die Rentabilität aller Unternehmensbereiche sichern. Ziel ist, bis Ende 2001 wieder schwarze Zahlen zu schreiben.