Platz 2: Michail Chodorkowski, 7,2 Milliarden Dollar - DER SPIEGEL
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Platz 2 Michail Chodorkowski, 7,2 Milliarden Dollar

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Michail Chodorkowski ist ein Kind der Glasnost-Ära. 1986 schließt er sein Chemiestudium ab. In der Rüstungsindustrie darf er nicht anheuern, weil er Jude ist. Stattdessen beginnt er eine Karriere als Komsomol-Funktionär. Er darf Computer importieren, damals eine Lizenz zum Gelddrucken. Mit dem Staat kommt er zusammen, als er Anfang der neunziger Jahre die Bank Menatep gründet.

Den entscheidenden Deal seines Lebens macht er 1995. Er erwirbt 45 Prozent des Ölkonzerns Yukos für lächerliche 159 Millionen Dollar, stockt seinen Anteil später auf 78 Prozent auf. Ein Insidergeschäft mit dem Kreml, der sich mit dem Ausverkauf des Tafelsilbers das Wohlwollen der russischen Geschäftselite sichert. Die sorgt dann auch 1996 für die Wiederwahl Boris Jelzins.

Chodorkowski verkörpert das neue russische Selbstbewusstsein. Die Europäer seien in ihrem Wohlstand zu satt und selbstzufrieden, es habe sich so etwas wie Agonie breit gemacht, sagt er. Wie man als Geschäftsmann erfolgreich sei, könne man von ihnen nicht gerade lernen. Der "russische Midas" orientiert sich lieber an Amerika.