Pleite-Unternehmen: Schieder am Ende - DER SPIEGEL
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Pleite-Unternehmen Schieder am Ende

Die Gespräche über den Verkauf von Europas größtem Möbelhersteller sind gescheitert. Nach millionenschweren Bilanzmanipulationen des früheren Managements sind die Altlasten und Risiken für potenzielle Investoren unberechenbar geworden.
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Düsseldorf - Die Verhandlungen über einen Verkauf des Möbelproduzenten seien gescheitert, teilte Schieder mit. Die Risiken und Altlasten nach den Bilanzmanipulationen unter dem alten Management schreckten mögliche Investoren ab. Am Wochenende hatte der ostwestfälische Möbelhersteller noch erklärt, die gesamte Gruppe hoffe auf eine Rettung durch einen Investor.

Um Arbeitsplätze zu retten, müssten die einzelnen Gesellschaften nun rasch verkauft werden, hieß es. "Es gibt keine pauschale Übernahme der Gruppe", sagte Interims-Geschäftsführer Ulrich Wlecke. Nun folgten unweigerlich Insolvenzen von Schieder-Töchtern in Deutschland und Polen. Zum verschachtelten Imperium gehören rund 150 Gesellschaften. Töchter in Liechtenstein und der Schweiz sowie in Italien und Bosnien-Herzegowina seien aber nicht von der Insolvenz betroffen.

Ob die Gruppe zusammengehalten werden könne, hänge an den Insolvenzverwaltern in Deutschland und Polen, betonte Wlecke. Befürchtungen der IG Metall, 75 Prozent der Stellen in Deutschland stünden auf der Kippe, halte er für Spekulation. Der Erhalt von Stellen sei aber mit der Insolvenz schwerer geworden, räumte er ein. Die Gewerkschaft hatte die Insolvenz als Gau für die Region bezeichnet. "Die Mitarbeiter sind sehr empfindlich getroffen geworden", teilte der Schieder-Betriebsrat mit. Die Stimmung sei auf dem Nullpunkt. Bereits im April war die Gruppe knapp an der Insolvenz vorbeigeschlittert, damals hatte ein Überbrückungskredit von 65 Millionen Euro dem Unternehmen aus der Klemme geholfen.

Er hoffe, dass bei einem schnellen Erwerb Teile der Gruppe erhalten werden könnten, sagte Wlecke. Mit der Insolvenz werde auch Rechtssicherheit für Investoren geschaffen, die die Lasten der Vergangenheit fürchteten. Vier Ex-Manager, darunter Schieder-Gründer Rolf Demuth (68), sollen die Bilanzen der Geschäftsjahre 2004/2005 und 2005/2006 um jeweils 34 Millionen Euro geschönt und Kredite und Genussscheine über rund 283 Millionen Euro erschlichen haben. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

Nach Wleckes früheren Angaben lasten Verbindlichkeiten von rund 350 Millionen Euro auf der Gruppe. Bei dem Möbelriesen sind nach Angaben des Managements rund 50 Banken engagiert. Finanzkreisen zufolge sind darunter auch Goldman Sachs, die Deutsche Bank, eine DZ-Bank-Tochter, die IKB und die KfW.

Schieder produziert unter anderem für Ikea und Segmüller. Der Möbel-Riese hat europaweit rund 11.000 Beschäftigte, davon 1400 in Deutschland.

van/dpa/Reuters