Pleitegefahr: Arcandor bittet Gläubiger um Aufschub - DER SPIEGEL
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Pleitegefahr Arcandor bittet Gläubiger um Aufschub

Neuer Rettungsplan von Arcandor-Chef Eick: Er will die Gläubigerbanken beknien, Fristen für millionenschwere Kredite um Monate zu verlängern - doch die Institute zeigen sich unwillig. Springt der Staat nicht ein, droht dem Konzern am Mittwoch die Insolvenz.
Von Karsten Stumm
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Düsseldorf - Das Arcandor-Management will in Berlin einen neuen Rettungsplan unterbreiten. Das erfuhr manager-magazin.de aus Verhandlungskreisen. Kernpunkt sind mögliche Zugeständnisse der bedeutendsten Kreditgeber des Essener Unternehmens, also der Bayerischen Landesbank, der Commerzbank   sowie der Royal Bank of Scotland  .

Arcandor-Logo: Sechsmonatiges Schuldenmoratorium zur Rettung

Arcandor-Logo: Sechsmonatiges Schuldenmoratorium zur Rettung

Foto: AP

Karl-Gerhard Eick, Chef des Handels- und Tourismuskonzerns, wird dazu im zuständigen Interministeriellen Ausschuss des Bundes in Berlin erwartet, erfuhr manager-magazin.de aus Ministeriumskreisen. Anwesend sein soll dann auch der Staatssekretär des Bundeswirtschaftsministeriums, Walther Otremba.

Kernelemente des neuen Rettungsplans sind: ein sechsmonatiges Schuldenmoratorium der beteiligten Großbanken, mögliche Änderungen in der Verzinsung bestehender Altkredite sowie die Bereitschaft der Banken, einen neuen Kredits an Arcandor bereitzustellen.

Der neue Kredit soll nach Plänen, die manager-magazin.de vorliegen, zu 90 Prozent durch staatliche Bürgschaften gedeckt werden. Diese Punkte sollen Teil der nun diskutierten Rettungsbeihilfe werden.

Nach Informationen aus Verhandlungskreisen sind die Banken bisher allerdings nicht zu großem Entgegenkommen gegenüber Arcandor bereit. An den Positionen der beteiligten Großkreditgeber von Arcandor haben sich in den vergangenen Tagen keine entscheidenden Wendungen ergeben, "sie seien mehrfach schriftlich niedergelegt worden".

Eine weitere Beschreibung der bisherigen Position sei deshalb "nicht notwendig", beschieden die Banker dem Arcandor-Management noch am Wochenende in der Vorbereitung auf das heutige Treffen des Interministeriellen Ausschusses in Berlin kühl, erfuhr manager-magazin.de. An dem Treffen am Mittag würden die Banken aber teilnehmen. Arcandor war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.

Otto-Versand an Teilen von Arcandor interessiert

Sollte der Handels- und Tourismuskonzern Arcandor in Kürze Insolvenz müssen, stünden erste Unternehmen parat, die bisherige Arcandor-Töchter zumindest teilweise kaufen könnten. So bestätigten Unternehmenskreise heute manager-magazin.de, dass die Hamburger Otto Group an der Karstadt-Sparte Karstadt Sport interessiert sei. Otto habe dazu bereits vor geraumer Zeit Kontakt mit dem Arcandor-Management aufgenommen.

Otto wollte dazu nicht Stellung nehmen. Unternehmenssprecher Thomas Voigt bestätigte aber, dass der Hamburger Otto-Versand ein Auge auf den Arcandor-Unternehmensteil Primondo geworfen habe, zu dem der bekannte Universalversand Quelle ebenso gehört wie die Spezialversender Hess Natur oder Baby Walz sowie der TV-Verkaufskanal HSE24. "Wir schauen uns die Entwicklung an, insbesondere die Spezialversender wären für uns unter Umständen von Interesse", sagte Voigt.

Rewe an Thomas Cook interessiert

Darüber hinaus ist der Handelskonzern Rewe an der Arcandor-Reisesparte interessiert, die vielen Bundesbürgern unter dem Markennamen Thomas Cook bekannt ist. "Wir haben in der Vergangenheit mehrfach betont, dass Thomas Cook eine interessante Marke ist, deren Entwicklung wir - schon aus Wettbewerbsgründen - aufmerksam beobachten", bestätigte jetzt Rewe-Sprecher Martin Brüning das Interesse seines Unternehmens an der Arcandor-Touristiksparte. Wann Rewe bei Arcandor in Essen konkret anfragen wird, wollte das Unternehmen jedoch nicht kommentieren.

Die Rewe-Gruppe ist Deutschlands größtes Unternehmen, das nicht börsennotiert ist. Die Kölner kamen zuletzt inklusive aller Tochtergesellschaften auf einen Umsatz von etwa 50 Milliarden Euro. Damit würden sie an der Börse selbst zu den größten Dax-Unternehmen zählen.

Vielleicht müssen die Rewe-Manager bald auch nicht mehr selbst zum Telefonhörer greifen, um ihr Interesse an Thomas Cook anzumelden. Sollte die Thomas-Cook-Muttergesellschaft Arcandor pleitegehen, wird nicht mehr das Arcandor-Management um Vorstandschef Eick bestimmen, wie es weitergeht, sondern ein Insolvenzverwalter, den das Amtsgericht Essen bestellen wird. Das sei aber noch nicht geschehen, sagten Gerichtssprecher zu manager-magazin.de.

Dessen Hauptaufgabe würde aber sein, so viele Arcandor-Unternehmenssparten und Arbeitsplätze wie möglich zu sichern. Und der Verkauf der Touristiksparte an Rewe wie Teile der Versandaktivitäten sowie der Karstadt-Sport-Häuser an Otto wären eine solche Möglichkeit. Allein die 52-Prozent-Beteiligung der Arcandor an Thomas Cook ist derzeit knapp eine Milliarde Euro wert. Arcandor hat seine Beteiligung bereits seinen Hausbanken um die BayernLB, Commerzbank sowie der Royal Bank of Scotland verpfändet, bestätigte Arcandor.

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