Pleitewelle Starker Anstieg der Insolvenzmeldungen
Wiesbaden - Im ersten Halbjahr 2002 wurden den deutschen Amtsgerichten 18.500 Insolvenzen von Unternehmen und 21.200 von übrigen Schuldnern gemeldet. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch weiter mitteilt, zählen zu den letzteren 9.900 Insolvenzen von Verbrauchern, 10.100 von anderen natürlichen Personen und knapp 1.200 Nachlassinsolvenzen. Das Amt weist darauf hin, dass die statistische Erfassung der Insolvenzen in Deutschland derzeit wegen der Reform des Verbraucherinsolvenzverfahrens erschwert ist.
Die zum 1. Dezember 2001 in Kraft getretene Änderung der Insolvenzordnung verhindere auch Vergleiche mit den Vorjahreszahlen, hießes weiter. Die Unterscheidung zwischen Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen sei beeinträchtigt. Die Änderung habe im ersten Halbjahr 2002 wesentlich zu einem starken Anstieg der Insolvenzzahlen von natürlichen Personen, von Einzelunternehmen und Angehörigen freier Berufe beigetragen. Bei den Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften sind Vergleiche mit den Vorjahreszahlen laut Bundeamt indessen möglich: Sie stiegen um zehn Prozent auf knapp 11.700 Fälle.
Die Gerichte bezifferten die offenen Forderungen der Gläubiger für alle Insolvenzanträge im ersten Halbjahr 2002 auf 24 Milliarden Euro. Nach damaligem Insolvenzrecht beliefen sie sich im Vorjahreszeitraum auf 14 Milliarden Euro. Bei den betroffnen Unternehmen waren im Berichtszeitraum 134.000 Arbeitnehmer beschäftigt.
Nach Angaben von "Bild" soll die Zahl der Firmeninsolvenzen in Nordrhein-Westfalen mit einem Anstieg um 32 Prozent am stärksten in die Höhe geschnellt sein sein.
Experten rechnen für das Gesamtjahr mit mehr als 40.000 Insolvenzfällen. Dieter Plambeck, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen, sagte dem "Handelsblatt", dass diese Rekordmarke "deutlich" überschritten werde. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform sieht eine ähnlich dramatische Entwicklung: Sie ging bereits im Juni davon aus, dass die Zahl der Anträge die 40 000-Marke streifen könnte. Den durch die Pleitewelle entstehenden volkswirtschaftlichen Gesamtschaden bezifferte Creditreform laut "Handelsblatt" auf 45 Milliarden Euro.