Plötzlicher Chefwechsel: Mr. Nobody statt Mr. Premiere - DER SPIEGEL
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Plötzlicher Chefwechsel Mr. Nobody statt Mr. Premiere

Gerade schien wieder Ruhe einzukehren bei Premiere - der drohende Verlust der Bundesligaübertragung war abgewendet, die Aktionäre waren besänftigt. Da sorgt Vorstandschef Kofler für den nächsten Paukenschlag: Er nimmt seinen Hut. Der Aktienkurs sackte daraufhin ordentlich ab.
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München - Zum Abschied feierte Georg Kofler sich selbst: Der Abosender stehe heute deutlich besser da als vor fünfeinhalb Jahren bei seinem Amtsantritt. "Allen ist klar, dass Premiere strategisch hervorragend aufgestellt ist", erklärte der auch "Mr. Premiere" genannte Vorstandschef heute bei seinem überraschenden Rücktritt. Der Premiere-Chef hatte den Aufsichtsrat um die vorzeitige Auflösung seines Dienstvertrags gebeten, teilte das Unternehmen heute mit.

"Man sollte dann gehen, wenn man ein Spiel gewonnen hat und nicht mittendrin. Wir haben Kletterpartien höchster Schwierigkeitsgrade bewältigt, ich bin stolz darauf, wie wir mit Niederlagen umgegangen sind und mit wie viel Stehvermögen wir uns rausgearbeitet haben", so Kofler weiter. Gutgelaunt und strotzend vor Optimismus orakelte er zum Schluss noch ein wenig über die rosigen Zukunftsaussichten und die wunderbaren Wachstumschancen für Premiere.

Aktionärsschützer sehen Koflers Bilanz allerdings mit eher gemischten Gefühlen: "Es gab Licht, aber es gab auch Fehlgriffe", sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Unbestritten seien die Verdienste des scheidenden Premiere-Chefs um die Sanierung des Unternehmens, das mit seinen Milliarden-Verlusten das Medien-Imperium von Leo Kirch zum Einsturz gebracht hatte.

Mit der spektakulären Niederlage gegen den Konkurrenten Arena im Bietergefecht um die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga Ende 2005 kam allerdings ein tiefes Tal für die Aktionäre, deren Papiere zeitweise mehr als zwei Drittel ihres Wertes verloren. Erst vor kurzem konnten die Anleger wieder aufatmen, als Kofler die Einigung mit Arena verkündete. Premiere kann damit wieder alle 612 Spiele der ersten und zweiten Bundesliga direkt übertragen.

In dem Poker um die Rechte habe sich der Südtiroler schlichtweg "verkalkuliert", so Aktionärsschützerin Bergdolt. Nun müsse sich erst noch zeigen, ob sich das große finanzielle Engagement in Sachen Fußball-Bundesliga auch wirklich rechne. Ähnlich sieht es Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger: "Kofler hat das unterschrieben mit Arena, aber ob das ein finanzieller Erfolg wird, steht auf einem anderen Blatt", sagt der Aktionärsschützer.

Bisher stand Börnicke im Schatten Koflers

Der plötzliche Abschied bedeutet für Premiere eine weitere Belastung. Branchenkenner und Aktionärsschützer sind sich darüber einig, dass der Abschied von "Mr. Premiere" eine Lücke hinterlässt: "Das ist schon ein Verlust für die Gesellschaft", sagt Medienexperte Michael Bahlmann von MM Warburg.

Für Koflers Nachfolger, den bisherige Premiere-Finanzvorstand Michael Börnicke, bleibt nur wenig Zeit, sich nach der Übernahme des Chefpostens Anfang September einzuarbeiten. Im Fokus dürften auch für ihn die anstehenden Verhandlungen über die Bundesliga-Rechte ab der Saison 2009/10 bleiben. Außerdem gibt es immer wieder Gerüchte, der französische Medienkonzern Vivendi oder Finanzinvestoren seien an einer Übernahme des Bezahlfernsehsenders interessiert.

Bisher hatte Börnicke weitgehend im Schatten des schillernden Unternehmers Kofler gestanden. Bei Branchenexperten wurden deshalb heute auch Spekulationen laut, wie langfristig die Verpflichtung des 46-Jährigen angelegt sei. Dem trat Kofler sogleich entschieden entgegen: Sein langjähriger "engster Partner und Weggefährte" bei Premiere habe Fähigkeiten, die weit über das Finanzressort hinausgingen, betonte der scheidende Vorstandschef: "Er ist ganz sicher kein Übergangskandidat, sondern eine hervorragende, langfristige Lösung."

Börnicke arbeitet schon seit den neunziger Jahren mit Kofler zusammen, der damals die damalige ProSieben Television GmbH führte. 1992 kam Börnicke als Leiter Finanzen und Controlling zu ProSieben und stieg drei Jahre später zum Kaufmännischen Direktor auf. Mit ihm brachte Kofler die ProSieben Media AG an die Börse.

Zusammen überstanden sie bei Premiere   auch die Wirren nach der Pleite der Kirch-Mediengruppe 2002. Börnicke war bereits Anfang 1998 als kaufmännischer Leiter zu dem Bezahlsender gegangen - dem Hoffnungsträger, der mit seinen Milliardenverlusten Kirchs gesamtes Medienimperium einstürzen ließ. Kofler wechselte noch kurz vor dem Zusammenbruch, im Februar 2002, ebenfalls zu Premiere über - als Chef. Ein Jahr später holten er gemeinsam mit Börnicke den Finanzinvestor Permira als Eigentümer ins Boot. Börnicke erwarb dabei einen Anteil von 0,6 Prozent. Als Finanzchef verantwortete er den Premiere-Börsengang im März 2005. Im Juni vergangenen Jahres wurde er zusätzlich zum stellvertretenden Vorstandschef berufen.

Alles - nur keine Medien mehr

Kofler will seinerseits offenbar auch noch nicht in den Ruhestand gehen. Er wolle sich aber künftig mehr unternehmerische Freiheiten gönnen. "Ich bin noch jung und fit und abenteuerlustig", sagt der 50-Jährige. Vorstellbar seien Engagements als größter Einzelaktionär oder Mehrheitsaktionär bei Unternehmen verschiedener Branchen - mit Ausnahme der Medienlandschaft. Der will er endgültig den Rücken kehren. "Es ist so wie bei Reinhold Messner: Ich habe jetzt alle Achttausender in der Medienlandschaft bestiegen", gab sich der Manager bescheiden.

Die Börse vermisst ihn augenscheinlich schon jetzt: Die Premiere-Aktie verlor heute über drei Prozent an Wert. Kofler selbst kratzt das wohl kaum noch. Er hat sich vergangene Woche von seiner Premiere-Beteiligung getrennt, zu "rund 18,50 Euro je Aktie". "Ich bin mit dem Geschäft zufrieden, ich habe für 20 Millionen Euro gekauft und jetzt für 23 Millionen Euro verkauft", sagte Kofler der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Er verteidigte den Verkauf. "Es ist das normalste von der Welt, dass ich mich auch finanziell aus einem Unternehmen, das ich verlasse, zurückziehe. Ich habe ein absolut reines Gewissen." Die Transaktion habe in einem erlaubten Zeitfenster stattgefunden, also in den Wochen nach dem Quartalsbericht. Er habe im Vorfeld des Aktienverkaufs auch prüfen lassen, ob der Verkauf zulässig sei. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) will den Handel mit Premiere-Aktien "routinemäßig untersuchen".

ase/dpa-AFX/dpa/ddp

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