Plus-Übernahme auf Eis Kartellamt stoppt den Aldi-Rivalen
Bonn - Das Kartellamt trägt Sorge. Wettbewerbshüter befürchten durch den Zusammenschluss Edeka-Plus weniger Wettbewerb sowie höhere Preise für die Verbraucher, wie sie in einer Abmahnung an die Konzerne mitteilten. Edeka und der Plus-Eigentümer Tegelmann zeigten sich aber optimistisch, die Bedenken der Kartellwächter noch ausräumen zu können.
Tengelmann und Edeka hatten Ende vergangenen Jahres vereinbart, ihre Discounter Plus und Netto in eine gemeinsame Gesellschaft einzubringen, an der Edeka die Mehrheit halten soll. Außerdem planen die Unternehmen eine Einkaufs-Kooperation. Edeka will durch die Übernahme zum drittgrößten Discount-Anbieter in Deutschland hinter den Marktführern Aldi und Lidl aufsteigen - und damit seine bislang eher schwache Marktposition in diesem Segment deutlich ausbauen. Der neue Discountriese werde für mehr Wettbewerb sorgen und damit auch dem Verbraucher nützen, warb Edeka damals für den Zusammenschluss.
Starke Marktposition bei Supermärkten und im Soft-Discount
Das Bundeskartellamt sieht dies allerdings anders. Die Wettbewerbshüter erwarten weniger Wettbewerb. Vor allem bei Supermärkten und im sogenannten Soft-Discount verfüge Edeka nach dem Zusammenschluss in weiten Teilen des Bundesgebietes über eine fast unangreifbare Marktposition. "Die Marktanteilsabstände zu den nachfolgenden Wettbewerbern sind erheblich", zeigten sich die Wettbewerbshüter besorgt.
Edeka könne dadurch den Preiswettbewerb aushebeln. Mit dem Wegfall von Tengelmann und Plus verblieben in diesen Sparten als einzige ernst zu nehmende Konkurrenten die Kölner Rewe und - mit Einschränkungen - die Schwarz-Gruppe (Lidl,Kaufland)), warnte das Kartellamt. Rewe sei jedoch auf Grund der deutlich niedrigeren Marktanteile und der geringeren unternehmerischen Ressourcen zu schwach, um den strukturellen Vorsprung von Edeka nach dem Zusammenschluss wirkungsvoll angreifen zu können. Gleichzeitig würde die Einkaufsmacht des Branchenriesen durch den Zusammenschluss weiter wachsen, kritisierten die Kartellwächter. Dabei verfüge Edeka vor allem bei Markenartikeln schon heute über eine Marktstärke wie kaum ein anderes Handelsunternehmen.
Konzentration bereits weit fortgeschritten
Nach Angaben des Kartellamts entfallen schon heute rund 90 Prozent des inländischen Marktvolumens im Lebensmittel-Einzelhandel auf nur noch sechs Anbieter: Edeka, die Schwarz-Gruppe, Aldi, Rewe, Metro und Tengelmann. Marktführer ist Edeka mit einem Marktanteil von 25 Prozent. Edeka und Tengelmann haben nun bis zum 17. April die Gelegenheit, zur Abmahnung Stellung zu nehmen.
Dabei können sie auch Vorschläge machen, wie - etwa durch den Verkauf von Filialen an Dritte - die Bedenken des Kartellamtes ausgeräumt werden könnten. Eine endgültige Entscheidung der Kartellbehörde soll bis zum zum 28. April fallen.
Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf einen Edeka-Insider, das Unternehmen wolle nun mit dem Kartellamt verhandeln, auf wie viele Plus-Läden es verzichten müsse, um am Ende die Fusion doch noch genehmigt zu bekommen. Als möglicher Interessent für diese Geschäfte gilt der beim Verhandlungspoker um Plus unterlegene Konkurrent Rewe. Das Kölner Unternehmen lehnte zunächst jede Stellungnahme ab.
Erich Reimann, AP