Politiker-Attacke Post plant Hilfsprogramm für US-Mitarbeiter
Frankfurt am Main/Washington - Post-Chef Frank Appel will seine Kritiker in den Vereinigten Staaten beruhigen. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kündigte er ein Hilfsprogramm für die Beschäftigten und die strukturschwache Region am Standort in Wilmington im Bundesstaat Ohio an.
Einzelheiten würden derzeit zwischen DHL-Vertretern, amerikanischen Stellen und den betroffenen Arbeitnehmern besprochen, sagte Appel. Angaben zum Umfang finanzieller Hilfen machte er nicht. "Es geht in erster Linie um die Frage, wie wir den Leuten helfen können, neue Jobs zu finden", sagte der Post-Vorstandschef. Denkbar sei auch, dass DHL einen Teil des Personals übernehme. Damit allerdings werde sich nur ein kleiner Teil der Arbeitsplatzverluste auffangen lassen.
Ob die Offerte die Gemüter beruhigt, erscheint indes fraglich. Denn an seinen Umbauplänen hält Appel weiter fest. Die Post hatte sich nach jahrelangen Verlusten im amerikanischen Expressgeschäft entschieden, die Luftfracht an den Erzrivalen UPS abzugeben und die Dependance in Wilmington zu schließen. Dadurch droht der Verlust von rund 8000 Jobs bei der Fluggesellschaft ABX, die für DHL dort bisher ein Luftdrehkreuz betreibt. Am Kurier- und Straßennetzwerk hält die Post zwar fest. Dennoch sind auch hier Einsparungen angedacht.
Die Debatte um die Schließung eskalierte zuletzt, da der Sparplan unterdessen im laufenden US-Wahlkampf thematisiert wird. Sowohl der demokratische Bewerber Barack Obama als auch sein republikanischer Konkurrent John McCain haben wettbewerbsrechtliche Zweifel an einer Zusammenarbeit von DHL und UPS angemeldet und eine genaue Prüfung verlangt.
McCain forderte Appel auf, nach Amerika zu reisen und seine Pläne vor Ort zu rechtfertigen. "Es ist mehr als angemessen, herzukommen und mit jenen Menschen zu sprechen, die davon betroffen sind", sagte der Politiker auf einer Wahlkampfveranstaltung in Wilmington. Er werde "alles tun, was in meiner Macht steht, um den Stellenabbau zu verhindern", kündigte der Senator aus Arizona an
Appel wies die Vorwürfe gegenüber der "FAZ" zurück und warnte davor, den Rettungsplan zu blockieren. "Es gibt keine echte Alternative. Sonst würden wir unser gesamtes Expressgeschäft in den Vereinigten Staaten gefährden, und am Ende des Tages wären noch wesentlich mehr Arbeitsplätze bedroht", sagte er.
Der Konzernchef steht unter Zeitdruck. DHL Express verliere in den Vereinigten Staaten jeden Tag rund fünf Millionen Dollar, sagte er. "Jede Verzögerung könnte schlimmstenfalls zu noch dramatischeren Einschnitten führen. Das sollten Politiker bedenken, wenn sie jetzt Termine für Anhörungen ansetzen oder eine möglicherweise langwierige kartellrechtliche Überprüfung verlangen", mahnte Appel.
suc/dpa-AFX