Pontifex-Future: Arinze wird Liebling der Buchmacher - DER SPIEGEL
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Pontifex-Future Arinze wird Liebling der Buchmacher

Auch im zweiten und dritten Wahlgang haben sich die Kardinäle in Rom nicht auf einen neuen Papst einigen können. An den Ranglisten der Buchmacher lässt sich ablesen, wie sich die Kräfteverhältnisse im Konklave verschieben: Joseph Ratzinger verliert gegen den Nigerianer Francis Arinze immer mehr an Boden.
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London - Während die Kardinäle die Suche nach dem neuen Amtsträger fortsetzten, stand Arinze heute sowohl bei Paddy Power aus Dublin wie auch bei William Hill in London klar an erster Stelle. Joseph Ratzinger, der noch am Sonntag Spitzenkandidat war, fiel auf den dritten Platz zurück, noch hinter den Franzosen Jean-Marie Lustiger.

Gute Chancen räumten die Buchmacher auch dem Brasilianer Claudio Hummes ein, der auf Platz fünf beziehungsweise sechs rangierte. William Hill nimmt schon seit der Wahl von Papst Johannes Paul II. im Jahre 1978 Wetten auf den nächsten Papst an.

In der Rangliste des irischen Buchmachers Intrade steht Ratzinger dagegen noch immer auf Platz eins. Aber auch dort hat er spürbar Boden verloren. Seine Siegchancen, die in der vergangenen Woche noch bei rund 20 Prozent gelegen hatten, sind inzwischen auf 12,5 Prozent gefallen. Dicht dahinter folgt Arinze mit einer Wahrscheinlichkeit von 12,3 Prozent, Hummes hält mit einem Wert von 10,0 weiterhin den dritten Platz. Tettamanzi, der eine Woche zuvor noch als Favorit galt, ist auf den vierten Platz zurückgefallen.

Die katholische Kirche hat die Wetten im vergangenen Jahr als geschmacklos und unmoralisch verurteilt. Die Spekulation um die Nachfolge kann sie jedoch nicht verhindern - und damit auch nicht den Wettbewerb der verschiedenen Vorhersagemethoden. Lässt man die moralische Bewertung außen vor, so gelten die die an Futures-Märkten ermittelten Wahrscheinlichkeiten als mindestens so verlässlich wie klassische Prognosewerkzeuge, jedenfalls nach Einschätzung von Finanzökonomen und Statistikern.

Denn gegenüber herkömmlichen Umfragen haben sie den Vorteil, dass sie durch Käufe und Verkäufe der Markteilnehmer aktuell gehalten werden. Sobald sich die Rahmenbedingungen ändern, reagiert der Kurs. Zweiter Aspekt: Die Auguren müssen Geld einsetzen, um ihre Einschätzung einfließen zu lassen. Das führt regelmäßig dazu, dass sich eher die Wohlinformierten an solchen Prognosen beteiligen.

Rund um den Vatikan führen dagegen nicht selten Wichtigtuer das Wort. Aber auch dort gilt nach wie vor Ratzinger als Favorit. Hinter ihm stünden zwischen 40 bis 60 Kardinäle, heißt es. In der Frage der Mitfavoriten liefert der Flurfunk des Vatikan schon deutlichere Abweichungen: Neben Ratzinger gelten vor allem italienische Kardinäle wie Dionigi Tettamanzi und Camillo Ruini als aussichtsreiche Kandidaten.