Pop und Burger - DER SPIEGEL
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Gastronomie Pop und Burger

Die Hard Rock Cafes sollen zum Spaßimperium ausgebaut werden: Geplant sind Plattenproduktionen und ein Hard-Rock-Ferienklub.
• aus DER SPIEGEL 25/1996
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Bauch einziehen und dann ran an Madonnas frechen Eistüten-BH: klick. »It's great«, frohlockt Jane aus Denver und zieht ihren Gatten von dem Pop-Exponat zurück. Neben einem Fummel von Janis Joplin macht sich das Paar schließlich über Cheeseburger mit Pommes her.

So geht das im Londoner Hard Rock Cafe seit genau 25 Jahren: gucken, staunen, Geld ausgeben. Als das Wort »Erlebnisgastronomie« noch nicht erfunden war, machten die Hard-Rock-Cafe-Gründer Peter Morton und Isaac Tigrett ihre ersten Millionen. Das Konzept Pop und Burger lockte vor allem die Kids in die Restaurants.

Dem großen Geld folgte der große Streit: Die Freundschaft zerbrach, seit 1982 gingen die beiden Hard-Rocker getrennte Wege. Der studierte Wirtschaftler Morton entwickelte die Ketten westlich des Mississippi, Tigrett, exzentrischer Anhänger des Gurus Satya Sai Baba, war für die Restaurants östlich des Demarkationsflusses zuständig. Beide trafen sich nur noch vor Gericht. Eine gemeinsame Vermarktungsstrategie kam nie so recht zustande.

Pünktlich zum 25jährigen Jubiläum werden die beiden Teile der Kette nun wieder zusammengefügt - nur Morton und Tigrett sind nicht mehr dabei. Unter dem Dach des britischen Entertainment-Konzerns Rank, der mit 49 Prozent auch am Fotokopiergeräte-Hersteller Rank Xerox beteiligt ist, sollen die Hard Rock Cafes zum weltweiten Spaßkonzern ausgebaut werden.

Rank gelang, womit niemand mehr gerechnet hatte: Für angeblich 410 Millionen Dollar übernahmen die Manager von Morton, der jahrelang verkaufsunwillig war, die Cafés und alle Vermarktungsrechte. Die Cafés des Ex-Partners hatte Rank schon 1988 ergattert.

»Für uns ist diese Vereinigung so wichtig wie der Fall der Mauer für die Deutschen«, sagt Hard-Rock-Generaldirektor James Berk. Insgesamt gehören dem Konzern, der Hotels (Butlin's), Kinos (Odeon) und Spielhallen (Rank Bingo) betreibt, nun alle 58 Hard Rock Cafes.

Die neue alte Café-Kette will jetzt »gigantisch expandieren«, sagt Europa-Chef John Crippen.

Bis zum Jahr 2000 ist eine Verdoppelung der Café-Standorte geplant, auch in München und Hamburg sollen Popfreaks die Devotionalien ihrer Lieblinge bewundern dürfen.

Material gibt es reichlich. In Orlando besitzt das Unternehmen ein ganzes Lagerhaus, gefüllt mit wertvollen Sammlerstücken, das für die nun anstehende Expansion geplündert wird: Gitarren von Johnny Rotten und Jimi Hendrix, Anzügen und Jacken von Elvis Presley und Elton John und dem Magical-MysteryTour-Bus der Beatles.

An Kapital mangelt es dem Rank-Konzern offenbar nicht, den Aufkauf der Morton-Anteile hatte das Management aus dem Verkauf von Rank-Xerox-Gewinnanteilen bestritten. Die Geschäftssituation der Cafés ist blendend: Für 1996 rechnet Berk mit einem Umsatz von 375 Millionen Dollar.

Nun soll der Name Hard Rock Cafe, bisher schon auf T-Shirts, Lederjacken, Trinkgläsern und allerlei Souvenir-Schnickschnack vermarktet, noch aggressiver als Verkaufsanreiz eingesetzt werden. Schon bisher stammen 50 Prozent der Gewinne aus dem Verkauf dieser Zusatzprodukte.

Die Zukunftspläne der Konzernoberen sind groß: »Es wird Hard-Rock-Cafe-Platten geben, eine Produktionsfirma für Tourneen und auch Hard-Rock-Ferienklubs sollen enstehen«, sagt Berk. Die strategische Richtung stehe fest, konkrete Investitionspläne existieren freilich noch nicht.

Auch Aktivitäten mit anderen Rank-Partnern stehen auf dem Programm. Der Konzern ist gemeinsam mit dem Filmproduzenten MCA Betreiber der Universal Studios in Orlando, Florida, und damit an der geplanten Universal City beteiligt. Spätestens bis 1998 soll dort die Vergnügungszone, ein Amphitheater inklusive, eingeweiht werden.

Unter dem Motto »Hard Rock Life« soll in Universal City die internationale Elite der Popstars auftreten, sagen die Rank-Leute. Mit moderner Übertragungstechnik will das Unternehmen die Musikspektakel in die eigenen Cafés übertragen - zum Teil zeitversetzt.

Längst scheint den Hard-Rockern das Geschäft mit den Cafés eine Nummer zu klein - ein zweite Kette weltweiter Themenrestaurants soll neu hinzukommen. Berk tönt: »Entweder wir überlegen uns selbst was, oder wir kaufen einfach eine Kette dazu.«

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