Porsche Alle wollen den Cayenne
Genf/Stuttgart - Vorstandschef Wendelin Wiedeking warnte am Montagabend beim Genfer Autosalon, dass vor allem ein länger andauernder Irak-Konflikt sich negativ auf die Absatzzahlen auswirken könnte. Schon die anhaltende politische Diskussion erzeugt Kaufzurückhaltung in den wichtigsten Märkten USA und Deutschland.
Die Rekordzahlen der beiden vergangenen Jahre für die Sportwagenmodelle 911 und Boxster würden im laufenden Geschäftsjahr 2002/2003, das am 31. Juli endet, nicht erreicht. Im Gesamtjahr soll der Absatz aber durch die hohe Nachfrage nach dem Cayenne auf etwa 65.000 Fahrzeuge klettern (Vorjahr: 54.234).
Das Unternehmen könne sich der Abkühlung der Konjunktur aber nicht völlig entziehen, hieß es. Im ersten Halbjahr ging der Verkauf der preiswertesten Modellreihe Boxster um neun Prozent zurück. "Dennoch ist es keine Frage: Porsche wächst in neue Dimensionen. Der Cayenne wird unseren Umsatz-, Absatz- und Ertragszahlen neue Impulse geben", betonte der Porsche-Chef.
Wiedeking sagte, die Auftragsbücher für den Cayenne seien randvoll. Deshalb werde die Produktionskapazität im Werk Leipzig in den kommenden Monaten deutlich erhöht. "Dadurch erwarten wir eine weitere Beschleunigung unseres weltweiten Absatzes."
Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um 20 Prozent auf 2,21 Milliarden Euro, der Absatz erhöhte sich um fünf Prozent auf 24.727 Fahrzeuge. Das Ergebnis vor Steuern wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 19 Prozent auf 186 Millionen Euro. Damit lagen Erlöse und Gewinn geringfügig über den vorläufigen Zahlen, die auf der Hauptversammlung Ende Januar genannt wurden. Der Gewinn nach Steuern betrug in den ersten sechs Monaten 102 Millionen Euro (plus 14 Prozent).
Auch der Supersportwagen Carrera GT, der am Abend in Genf seine Weltpremiere erlebte und eigentlich nur zur Imagebildung für Porsche dienen sollte, könnte sich zum lukrativen Geschäft entwickeln. Der rund 400.000 Euro teure Zweisitzer soll nun 1500 Mal gebaut werden und nicht, wie ursprünglich geplant, nur 1000 Mal. "Wir haben weltweit bereits bis zu diesem Zeitpunkt mehr als 1000 Kunden finden können, die den Carrera GT erwerben wollen."
Kritikern der PS-Manie bei Supersportwagen entgegnete Wiedeking, dass Porsche dass Schaulaufen nicht begonnen habe. "Wenn sich der Wettbewerb in diesem Segment aber über Leistung definiert, dann darf Porsche als führender Hersteller von reinrassigen Sportwagen nicht abseits stehen." Der GT soll rund 612 PS haben und in 3,9 Sekunden von null auf 100 Stundekilometer beschleunigen.