Porsche BaFin untersucht Insiderhandel bei VW-Einstieg
Bonn - Eine BaFin-Sprecherin bestätigte heute die Untersuchung zum Insiderhandel. Die Anzeige werde nun von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main geprüft. Bei dem nach umfassenden Ermittlungen festgestellten Verdacht geht es um Insiderwissen zu der im September 2005 angekündigten 20-Prozent-Beteilung von Porsche an Volkswagen . Porsche-Aktien hatten nach der damaligen Börsenpflichtmitteilung von Porsche über den Einstieg bei VW gut elf Prozent verloren.
Vergangene Woche hatte Porsche bekannt gegeben, dass der Anteil des Sportwagenbauers an Volkswagen die Meldeschwelle von 25 Prozent überschritten habe und 27,4 Prozent betrage. Der Aufsichtsrat von Porsche hatte den Vorstand ermächtigt, die Beteiligung an Volkswagen auf bis zu 29,9 Prozent auszubauen. Würde Porsche 30 Prozent an Volkswagen besitzen, müsste der Sportwagenbauer allen VW-Aktionären ein Übernahmeangebot machen.
SPD erhebt Vorwurf gegen Wulff
Die Erhöhung des Porsche-Anteils stärkt den Einfluss des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech bei Volkswagen. Porsche wird von den Familien Porsche und Piech kontrolliert. Zu Medienberichten, Porsche rüste sich für den VW-Kauf, hatte ein Unternehmens-Sprecher gesagt: "Es bestehen derzeit definitiv keine Absichten, den Anteil an VW auf 30 Prozent oder darüber aufzustocken."
Bei VW geht die Personaldebatte inzwischen weiter: Die Opposition im Niedersächsischen Landtag fordert den Rückzug von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) aus dem VW-Aufsichtsrat. Die Interessen des Landes drohten "unter die Räder zu kommen", weil sich der Ministerpräsident unprofessionell verhalte, sagte SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Wulff habe sich bei VW gegenüber Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gleichermaßen "vollständig isoliert".
Anlass für Jüttners Vorstoß ist Wulffs erneute Forderung vom Wochenende, dass sich VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech 2007 von diesem Amt zurückziehen solle. Wulff sprach sich indirekt auch gegen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking als obersten VW-Aufseher aus. Jüttner kritisiert vor allem den Zeitpunkt der Äußerungen. Während Wulff ein Ende der Personaldebatten fordere, fache er sie selbst immer wieder neu an. Wulffs Konflikt mit Piech sei offenbar persönlich motiviert. So könne der Konzern nicht in ruhigeres Fahrwasser kommen. Der SPD-Politiker ließ offen, wer das Land anstelle des Ministerpräsidenten bei VW vertreten sollte. "Das muss einer machen, der effizient und rational an das Thema rangeht", sagt Jüttner.
tim/kaz/ddp/AP/dpa