Porsche-Beteiligung Piëch kämpft gegen Einstieg von Katar
Frankfurt am Main - Der geplante Teilverkauf des Stuttgarter Autobauers Porsche an das Emirat Katar ist offensichtlich noch lange nicht sicher. Wie die "Financial Times Deutschland" am Mittwoch ohne Nennung von Quellen berichtet, soll Großaktionär Ferdinand Piëch beim jüngsten Treffen der Eigentümerfamilien eine rasche Einigung mit den Scheichs verhindert haben. Dem Bericht zufolge hätte bei dem Treffen am Montag in Österreich eine Vorentscheidung zum Einstieg Katars fallen sollen. Stattdessen habe Piëch neue Zweifel vorgetragen.
Porsche-Produktion: Familientreffen ohne Porsche-Management
Foto: ddpBei dem Familientreffen sei das Management um den Porsche-Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking gar nicht erst eingeladen gewesen, hieß es. Wiedeking plant eine Kapitalerhöhung von 4,5 bis fünf Milliarden Euro. Katar solle mindestens zwei Milliarden Euro beisteuern, die Familien den Rest.
Ein Porsche-Sprecher dementierte in der Zeitung allerdings, dass überhaupt ein Familientreffen stattgefunden habe und sprach von einem "gezielten Störmanöver". Die Familien stünden geschlossen hinter den Verhandlungen mit Katar.
Aus Familienkreisen hieß es jedoch, dass es ein Gespräch gegeben habe. "Es hat ein solches Treffen gegeben. Es hat am Montag stattgefunden", sagte eine Person mit Kenntnis der Beratungen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Zu den Inhalten der Gespräche wollte sich die Person jedoch nicht äußern.
Auch die "Wirtschaftswoche" berichtet von einer intensiven Lobbyarbeit Piëchs gegen eine Beteiligung der Araber. Piëch bemühe sich derzeit nach Kräften, die anderen Familienmitglieder von seinem Standpunkt zu überzeugen. Ob er die notwendige Mehrheit zusammenbekomme, sei aber noch ungewiss.
Katar erwartet binnen zwei Wochen eine Entscheidung. Er gehe davon aus, dass man in zwei Wochen über den Ausgang der Gespräche mit Porsche informieren werde, sagte Katars Ministerpräsident Hamad bin Dschassem al-Thani der Zeitung "Gulf Times" vom Mittwoch. "Wir verhandeln weiter über die Beteiligung", sagte Thani. Das Land habe mit Porsche aber vereinbart, Informationen erst dann bekanntzugeben, wenn das Geschäft unter Dach und Fach sei.
Die Auseinandersetzung um eine Beteiligung des Emirats ist auch geprägt von den Rivalitäten der beiden Zweige der Eigentümerfamilie - auf der einen Seite die Porsches unter Führung von Wolfgang Porsche, auf der anderen die Piëchs, bei denen Ferdinand Piëch das Sagen hat. Sollte Piëch sich durchsetzen, dann blieben für Porsche nur noch wenige Optionen übrig. Eine davon wäre, unter das Dach des Volkswagen-Konzerns zu schlüpfen - bei dem Piëch als Vorsitzender des Aufsichtsrats großen Einfluss besitzt.
Geplant war ursprünglich eine ganz andere Machtkonstellation - nämlich ein Großkonzern unter der Führung Porsches. Porsche-Finanzchef Holger Härter hatte die Übernahme von Volkswagen durch ein dichtes Geflecht von Optionsgeschäften finanzieren wollen, dabei aber rund neun Milliarden Euro Schulden angehäuft. Die dafür anfallenden Zinsen machen dem Sportwagenbauer jetzt schwer zu schaffen - zumal der Verkauf von Porsche-Sportwagen weltweit um bis zu 30 Prozent zurückgegangen ist.
Die Finanznot soll jetzt ein Großinvestor lindern - nach Vorstellungen von Porsche-Chef Wiedeking wäre das Emirat der ideale Partner. Angeblich will der Porsche-Aufsichtsrat in den kommenden vier Wochen eine Entscheidung treffen. Die intensive Prüfung der Porsche-Bücher sei abgeschlossen, hieß es in mehreren Zeitungsberichten. Demnach wollen die Scheichs mindestens 25 Prozent an Porsche erwerben.
Laut "FTD" will Katar auf jeden Fall eine Sperrminorität erwerben. Im Umfeld der Familie habe es geheißen, Piëch habe klargestellt, dass es für eine Entscheidung zu viele offene Fragen gebe. So sei etwa unklar, wie viel Macht Katar tatsächlich erhalten solle.
Vor wenigen Tagen hatte es noch den Anschein, der Einstieg von Katar bei Porsche stehe unmittelbar bevor, die Familien Porsche und Piëch seien mehrheitlich dafür. Unabhängig von der Frage eines arabischen Investors bemüht sich Porsche derzeit auch um einen Milliardenkredit der KfW.