Porträt Klaus-Peter Müller
Ein oberflächlicher Blick in den Lebenslauf des Kandidaten hinterlässt einen Eindruck wie sein Name: etwas langweilig. Geboren am 16. September 1944, verheiratet, ein Kind. Schon seit 1966 ist Klaus-Peter Müller für das gelbe Geldhaus in Frankfurt tätig. Als Vorstandsmitglied ist er seit 1990 zuständig für die internationalen Beteiligungen der Bank. Klingt nicht besonders aufregend, aber der Eindruck täuscht.
Der Zögling des im Mai ausscheidenden Chefs Martin Kohlhaussen übernimmt die Bank in einer schwierigen Lage. In den letzten Monaten konnte Müller zeigen, was er kann. Um sich gegen eine mögliche Übernahme des Hauses zu wappnen, kümmert sich Müller um das Netz von Verbindungen in Spanien, Italien, Frankreich und Österreich. Enge Verknüpfungen zu anderen Banken und gegenseitige Beteiligungen sollen eine feindliche Übernahme erschweren.
Der Job von Müller erfordert viel Feingefühl. Während des Angriffs der Investorengruppe Cobra musste er den Kontakt zur italienischen Versicherung Generali, zum spanischen Bankenkonzern BSCH und anderen internationalen Anteilseignern halten. Die Beteiligungsgesellschaft Cobra fordert die Commerzbank heraus. Sie kontrolliert seit einigen Monaten siebzehn Prozent der Kommerzbankaktien. Ihre Versuche, einen ausländischen Käufer für das Aktienpaket zu finden, sind allerdings bislang gescheitert.
Müllers Vorteil in der Situation: Er kennt die Commerzbank in- und auswendig. Das ist besonders wichtig in einer Situation, in der die Bank noch immer ihren Weg sucht. Nach der gescheiterten Fusion mit der Dresdner Bank wollen die 35.000 Mitarbeiter wissen, wie es weiter geht. Am Tresen in Frankfurt witzelt man gerne, dass das Haus zu klein ist, um alleine groß zu werden, aber zu groß, um übernommen zu werden.
Viel Lob erhielt er als Leiter der Abteilung "Vorbereitung DDR". "In dieser Funktion baute Müller mit seinem Team in kurzer Zeit aus dem Stand eine flächendeckende Präsenz von 130 Filialen in Ostdeutschland außerhalb Westberlins auf und verhalf der Commerzbank in den neuen Bundesländern zu einer ähnlich starken Marktstellung wie vor dem Krieg", erklärte die Commerzbank.
Eine hohe Position für einen Mann ohne Universitätsabschluss. Nach einer Ausbildung beim Bankhaus Friedrich Simon in Düsseldorf ging er als 25-Jähriger im Auftrag der Commerzbank nach New York. Nach seiner Rückkehr arbeitete er in den Filialen in Düsseldorf und Duisburg, um dann in leitender Funktion nach New York zurückzukehren. Als er 1990 wieder nach Deutschlang kam, wurde er erst Generalbevollmächtigter, bevor er zum Vorstandsmitglied avancierte. Eine steile Karriere.
Müller wählt CDU, wird dem rechten Flügel zugeordnet und macht aus seiner politischen Haltung keinen Hehl. Im hessischen Landtagswahlkampf 1999 warb er für den heutigen Ministerpräsidenten Roland Koch und schaltete Anzeigen mit eigenem Foto und dem Slogan "Ein Hesse für Koch". Er durfte sich aber nur Bankangestellter nennen und nicht Vorstandsmitglied der Commerzbank. Kohlhaussen hatte ein Machtwort gesprochen.