Post-Konkurrenz: Zumwinkel sieht 6000 Jobs in Gefahr - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Post-Konkurrenz Zumwinkel sieht 6000 Jobs in Gefahr

Post-Chef Klaus Zumwinkel schätzt, dass durch die gerichtlich verfügte Zusammenarbeit mit privaten Briefdiensten bis zu 6000 Arbeitsplätze bei der Post verloren gehen könnten. Die Geschäfte sieht er durch den Wegfall des Briefmonopols aber nicht gefährdet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die gerichtlich verfügte Zusammenarbeit mit privaten Briefdiensten kann die Deutsche Post bis zu 200 Millionen Euro Umsatz kosten. "Übersetzt in Arbeitsplätze sind das 6000 Stellen, die wir dann über die Zeit abbauen müssen", sagte Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel der Tageszeitung "Die Welt".

Die Post muss nach Entscheidungen von Bundeskartellamt und Oberlandesgericht Düsseldorf den Briefversand ein Stück weit für den Wettbewerb freigeben. Zwar hat das Briefmonopol für die Post bis Ende 2007 weiterhin Bestand. Doch dürfen nun private Briefdienste Sendungen einsammeln und vorsortieren, wofür sie von der Post bis zu 20 Prozent Rabatt auf das Porto bekommen.

Allerdings will Zumwinkel die Urteile noch einmal anfechten. "Sollten wir vor Gericht gewinnen, müssen wir die Rabatte zurückfordern", sagt Zumwinkel. Aus dem Briefversand bezieht die Post rund zwei Drittel ihres operativen Gewinns.

Für die Zeit nach dem Auslaufen des Briefmonopols Ende 2007 erwartet Zumwinkel keine unmittelbaren Veränderungen der Geschäfte. "Um das einschätzen zu können, kann man sich vielleicht an Ländern wie Schweden orientieren. Da hat sich nach der Marktfreigabe nicht sehr viel verändert." Dennoch stelle sich die Post auf die Zeit nach dem Briefmonopol ein. Dazu wurde etwa der Bereich Transporte weitgehend ausgelagert. Zum anderen will die Post Umsatzverluste in Deutschland durch Zuwächse in anderen Ländern kompensieren. "In den Niederlanden oder in Großbritannien haben wir bereits Brieffirmen gekauft oder eigenes Geschäft aufgebaut. Da sind wir mit Volldampf unterwegs", sagte Zumwinkel.

Dem neuen Konkurrenten Red Parcel Post, den der ehemalige Post-Vorstand Dieter Seegers-Krückeberg aufbaut, räumt Zumwinkel kaum Chancen ein. "Deutschland ist der wettbewerbsintensivste Markt im Paketversand in der ganzen Welt. Wenn ein Neuer in diesen Markt einsteigt und dann auch nur national arbeiten will, weil er keine internationalen Netzwerke hat, dann wünsche ich ihm dabei gute Nerven", sagte Zumwinkel. "Aber das Geld wird ziemlich schnell verbrannt werden."