VERLAGE Potter und die Prüfer
Zauberhaft war der Besuch nicht gerade, aber immerhin angekündigt. Wirtschaftsprüfer hatten sich in der vergangenen Woche kurzfristig im Hamburger Carlsen Verlag angesagt. Carlsens Parade-Autorin, die britische Harry-Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling, hatte wohl Zweifel an den Abrechnungen ihres deutschen Verlags bekommen. Wie schon in Italien und Frankreich ließ sie Buchprüfer ausrücken, um Klarheit über die wahre Höhe ihrer internationalen Auflagen zu bekommen. Carlsen-Verleger Klaus Humann wiegelt ab: Der in der Buchbranche seltene Vorgang ist für ihn »durchaus normal«. Bei der Menge der verkauften »Potter«-Bände seien Differenzen zwischen den Carlsen-Zahlen und dem Prüfergebnis nicht zu vermeiden: »Nobody is perfect.« Rowlings Kontrollkommando ist besonders gründlich: Es prüfte selbst die Unterlagen beim Stuttgarter Sortimenter Koch, Neff und Oettinger. Geschäftsführer Oliver Vörster: »Ich habe noch nie erlebt, dass ein Autor unsere Bücher kontrollieren lässt.« Aber Erfolgsautorin Rowling (geschätztes Vermögen: 400 Millionen Euro) sei bekannt dafür, »ihre Rechte besonders intensiv wahrzunehmen«.