Praxisgebühr: "Warteschlangen wie im Flughafen" - DER SPIEGEL
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Praxisgebühr "Warteschlangen wie im Flughafen"

Gesundheitsreform-Gegner malen immer neue Horrorszenarien an die Wand: Die Praxisgebühr hinterlasse hungernde Kranke und provoziere stundenlange Wartezeiten. Nun verlangt Bundesärztekammerpräsident Hoppe, dass die Kassen die 10 Euro von den Patienten eintreiben, und nicht die Ärzte.
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Berlin/Köln - "Das Kassieren der Gebühr ist ein Vorgang, der in eine Arztpraxis nicht hereinpasst. Das ist eine Angelegenheit der Versicherten mit ihren Krankenkassen", sagte Bundesärztekammerpräsident Jörg Dietrich Hoppe am Mittwoch in der ARD. "Die Praxisgebühr hat in den letzen Tagen bei den Ärzten zu Warteschlangen wie im Flughafen geführt." Die Gebühr halte die Mitarbeiter der Praxen davon ab, sich um die Versorgung der Patienten zu kümmern.

Auf Kritik stieß auch der Vorschlag von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, bei Folgerezepten für die Anti-Baby-Pille die 10 Euro Gebühr zu erlassen. CSU-Gesundheitsexperte Horst Seehofer sagte, wenn man eine solche Ausnahme zulasse, würde ein Krebskranker zu Recht fragen, warum er für ein Folgerezept zahlen solle. Seehofer forderte Ministerin Schmidt auf, schnell Klarheit bei den offenen Fragen der Gesundheitsreform zu schaffen. "Die Schwierigkeiten, die gerade entstehen, liegen vor allem im Vollzug des Gesetzes", so der Sozialexperte. Es sei jetzt Aufgabe der Ministerin, mit den Ärzten und Krankenkassen alte Fragen zu klären, und nicht die Zeit, neue Fragen aufzuwerfen.

Die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten bemängelte die soziale Unausgewogenheit der Reform. Es sei ein Unding, dass neuerdings auch Geringverdiener zuzahlen müssten. Kranke sollten nicht hungern müssen, um Arztgebühr und Arzneikosten aufzubringen.

Ein Bäcker im niedersächsischen Wittorf nutzt die Gebühr inzwischen zu Werbezwecken: Gegen Vorlage einer Praxisquittung gibt es dort bei einem Bäckermeister ein 750-Gramm-Brot gratis. Die Quittung werde dann auf der Rückseite abgestempelt, damit keiner damit jeden Tag kommen könne, erklärte der Bäckermeister. Mit der Aktion wolle er seinen Kunden helfen, den langen Monat Januar mit seinen vielen Ausgaben zu überstehen, ohne hungern zu müssen.