Preisabsprachen Kartellamt filzt Süßwarenbranche
Hamburg - Weitere Unternehmen erhielten am Freitag Schreiben vom Kartellamt, dass Ermittlungen gegen sie laufen, berichtet die "Financial Times Deutschland". Entsprechende Informationen habe ein Kartellamtssprecher bestätigt. Hintergrund ist der starke Anstieg von Süßwarenpreisen in den vergangenen Wochen. Dabei hatten mehrere Unternehmen fast zeitgleich angekündigt, ihre Preise anheben zu wollen.
Alfred Ritter beispielsweise, Inhaber der Firma Ritter, sagte im Dezember, ab 2008 würden seine Schokoladenprodukte um ein Fünftel teurer als bislang. Kurz darauf folgte eine Ankündigung von Kraft Foods. Nach Branchenschätzungen lagen die Erhöhungen im Schnitt bei zehn bis zwölf Prozent. Die Unternehmen begründeten die höheren Preise mit stark gestiegenen Rohstoffkosten. Süßwarenhersteller zahlen heute etwa für Kakao oder Nüsse deutlich mehr als noch vor einem Jahr.
Kommt es zu einem Kartellverfahren, drohen den betroffenen Firmen hohe Strafen. Das Bußgeld richtet sich nach Schwere und Dauer des Verstoßes, beträgt aber maximal zehn Prozent des Jahreskonzernumsatzes. Zusätzlich kann das Kartellamt noch den sogenannten wirtschaftlichen Vorteil abschöpfen, den ein Unternehmen durch seine Kartellverstöße erlangt hat. Schlimmer noch als die Strafen beurteilen Branchenvertreter die drohenden Imageeinbußen. "Ist eine Marke in ein Kartellverfahren verwickelt, kann ihr das beim Absatz erheblich schaden", sagte ein betroffener Süßwarenhersteller der FTD.
Unternehmenssprecher von Kraft Foods , Mars, Nestlé und Ritter bestätigten am Freitag auf FTD-Anfrage die Durchsuchungen der Fahnder. Alle vier Unternehmen gaben an, mit den Behörden zu kooperieren. Ein Sprecher des Familienunternehmens Storck, das Marken wie Merci und Knoppers herstellt, wollte keinen Kommentar abgeben. Der Schokoladenspezialist Ferrero war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Premiumproduzent Lindt & Sprüngli war von den Durchsuchungen ebenso nicht betroffen wie der Sarotti-Produzent Stollwerck und der Kaugummihersteller Wrigley. Einzelne Gebäckhersteller wurden von den laufenden Untersuchungen per Brief informiert. Die Branche hatte nach den Preiserhöhungen der Schokoladenbranche zum Teil nachgezogen.
cjp/dpa