Preiserhöhungen: Euro-Wut tobt weiter - DER SPIEGEL
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Preiserhöhungen Euro-Wut tobt weiter

Der Euro gehört seit einem Monat zum Alltag, doch die Wut über heimliche Preiserhöhungen nimmt nicht ab. Verbraucherzentralen erhalten pro Tag Hunderte Beschwerden. Besonders wütend sind die Kunden auf Bäcker, Gastwirte und Pizza-Lieferanten.
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Düsseldorf - Allein bei der Euro-Abteilung der nordrhein-westfälischen Verbraucherzentrale laufen täglich mehr als hundert Beschwerden über Preiserhöhungen ein. In den ersten vier Tagen nach dem Jahreswechsel hätte es 500 Hinweise gegeben, sagte Verbraucherzentralen-Sprecher Theo Wolsing. Besonders Gemüsehändler, Bäcker, Kneipiers und Pizza-Services hätten stark an der Preisschraube gedreht.

Wenn die Händler darauf angesprochen würden, sagt Wolsing, hätten sie "immer die gleichen Ausreden parat". Meist gäben die Unternehmer gestiegene Rohstoffpreise und höhere Lohnkosten als Grund für die Verteuerung an. Gemüsehändler rechtfertigen ihre hohen Preise gerne mit dem Wintereinbruch in Südeuropa. Er denke, dass "einige Händler diese Tatsache nur zum Anlass nehmen, um auf die Waren noch ein paar Cent mehr draufzulegen", sagt der Verbraucherschutz-Experte.

Auch Beate Weiser, Euro-Expertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hört keine freundlichen Stimmen zur neuen Währung: "Das Einzige, was in Bezug auf den Euro bei uns ankommt, sind Beschwerden über Preiserhöhungen." Allein beim Beratungstelefon, das nur an drei Tagen in der Woche besetzt sei, kämen seit dem 1. Januar Woche für Woche rund 150 Anrufe wegen erhöhter Preise seit der Euro-Einführung. "Ein bisschen auffallend sind aber Arzneimittel, die teurer wurden", sagte Weiser. Dies sei besonders problematisch, da die Betroffenen nicht einfach auf ein Ersatzmedikament ausweichen könnten. "Bei allen anderen Produkten kann man woanders hingehen", so die Verbraucherschützerin.

Die bayerische Verbraucherzentrale führt zwar keine zentrale Statistik über die Beschwerden in ihren 16 Beratungsstellen. Doch die bayerischen Verbraucherschützer berichten, dass täglich per Telefon und Brief etliche Klagen über Verteuerungen in Zusammenhang mit der Euro-Einführung eingehen, so Sprecher Markus Saller. "Momentan beschweren sich die Verbraucher vor allem über Preiserhöhungen im Dienstleistungsbereich, etwa in der Gastronomie, bei Textilreinigungen oder beim Friseur", sagte er.

Genaue Zahlen, die zeigen, welche Unternehmen die Preise am stärksten gehoben haben, gibt es bisher nicht. "Erst am Donnerstag liegen uns die Januarwerte vor, dann haben wir eine Vergleichsmöglichkeit", sagte eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Statistik. Auch das Statistische Bundesamt will frühestens am Donnerstag erste Inflationszahlen veröffentlichen.

Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass die Bargeldumstellung stärker als bisher vermutet zu Preiserhöhungen genutzt wurde. Vor allem im Facheinzelhandel wie Bäckereien und im Gastgewerbe seien die Preise seit Jahresbeginn gestiegen. Im Gegensatz dazu seien Preiserhöhungen in Supermärkten wegen der verstärkten Aufmerksamkeit der Kunden ausgeblieben. Ferner erwarten die Volkswirte wegen des harten Winters in Südeuropa erheblich höhere Preise für Frischgemüse, was das Preisniveau um 0,4 Prozent heben werde. Insgesamt erwarten die Commerzbank-Volkswirte für Januar einen Preisanstieg gegenüber dem Vormonat von 1,3 Prozent und eine Jahresrate von 2,5 Prozent, wobei der Preisschub ihrer Ansicht nach aber nicht von langer Dauer sein dürfte.

Nach Ansicht von Stefan Bergheim von JP Morgan wurden die meisten Preise im Einzelhandel bereits 2001 erhöht, Preissteigerungen im Gastgewerbe dürften seiner Meinung nach die Januar-Teuerung stark angetrieben haben haben. Bergheims Prognose liegt bei einem saisonbereinigten Preisanstieg von 0,7 Prozent binnen Monatsfrist und 2,0 Prozent im Jahresvergleich.