Preisexplosion: Brot wird erneut teurer - DER SPIEGEL
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Preisexplosion Brot wird erneut teurer

Zum zweiten Mal in diesem Jahr steigen die Preise für Brot und Backwaren. Als Grund nennt der Verband Deutscher Großbäckereien gestiegene Rohstoff- und Energiepreise sowie schlechte Ernten. Insgesamt seien Lebensmittel in Deutschland aber immer noch günstiger als im EU-Durchschnitt.
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Hamburg - Der Verband Deutscher Großbäckereien nennt weitere Preisanhebungen "unausweichlich". Gestiegene Getreide- und Energiepreise würden die Bäckereien dazu zwingen. Auch Butter, Nüsse und Mandeln seien deutlich teurer geworden.

Die Höhe des weiteren Preisanstiegs für Brot bezifferte Verbandspräsident Helmut Klemme im einstelligen Prozentbereich. Seit der zurückliegenden Preisrunde im Sommer hatte sich beispielsweise Roggenbrot im Schnitt bereits um knapp fünf Prozent oder rund zehn Cent je Kilo verteuert. Bei Waren aus Weizenmehl liege die Teuerungsrate vergleichbar hoch. Bei Gebäck wie Buttercroissants fiel die Preisanhebung mit 16 Cent je Kilo höher aus, weil hier Butter und Mehl rund drei Viertel der Zutaten ausmachen.

Klemme machte insbesondere die Förderung von Agrarsprit für die Kostensteigerungen verantwortlich. "Immer mehr Landwirte liefern ihr Getreide nicht mehr bei den Mühlen ab, sondern gleich bei den Tankstellen". Der Verband werde daher auf Bundes- und auf europäischer Ebene mit anderen Spitzenverbänden versuchen, die Politik zur Abkehr von der Agrarsprit-Förderung zu bewegen.

20-prozentige Preisanhebung im Sommer

Ein weiterer Grund für die gestiegenen Getreidepreise sei die schlechte Ernte in diesem Jahr. So kaufe etwa Australien - eigentlich ein Exporteur von Getreide - in großen Mengen Biogetreide in der Türkei auf. Auch in Deutschland holten die Bauern 2007 wegen der Trockenheit im Frühjahr und der Verringerung der Anbauflächen weniger Getreide von ihren Feldern.

In den vergangenen Wochen hatten sich Brot und Backwaren bereits um bis zu 20 Prozent verteuert. Nach Ansicht von Branchenexperten werde der Pro-Kopf-Verbrauch aber trotz der höheren Kosten nicht abnehmen. Dieser war im vergangenen Jahr mit 87 Kilogramm so hoch wie noch nie seit 1990. "Damit liegt Deutschland in Europa an der Spitze", sagte Klemme.

Trotz der Anhebungen auch bei anderen Nahrungsmitteln seien die Lebensmittelpreise in Deutschland unterm Strich aber weiter die niedrigsten in Europa und um rund sechs Prozent günstiger als im EU-Durchschnitt zu haben, betonte Klemme. Allerdings nähmen die Verbraucher Preiserhöhungen hier anders wahr, weil es sich um Güter des täglichen Bedarfs handele. Der Anteil der Lebensmittel am Gesamtbudget eines Durchschnittshaushalts liege bei rund elf Prozent, der Anteil der Broterzeugnisse bei nur zwei Prozent.

In der Backwarenbranche selbst rechnen die Großbäcker, also die Filial- und Lieferbäckereien, weiter mit Zuwächsen zu Lasten der kleinen, selbstständigen Bäckereien. Der Anteil des Lebensmitteleinzelhandels am Verkauf von Brot- und Backwaren wird nach ihrer Schätzung von jetzt rund 60 Prozent in den nächsten fünf Jahren weiter auf bis knapp unter 70 Prozent wachsen. Grund sei, dass die Verbraucher möglichst viele Lebensmittel-Einkäufe zentral an einem Ort tätigten. Davon profitierten Filialbäckereien in den Verbrauchermärkten und Discountern.

kaz/ddp/Reuters