Preisschub: Erboste Gas-Kunden reichen Sammelklage ein - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Preisschub Erboste Gas-Kunden reichen Sammelklage ein

Bundesweit ärgern sich Verbraucher über die Preissteigerungen für Gas - in Hamburg sind nun 52 Kunden tätig geworden und haben die erste Sammelklage gegen einen Versorger eingereicht. Der Klägeranwalt fordert: Die Konzerne müssten nun "die Hosen herunterlassen" und die Notwendigkeit der Preissteigerungen zwingend beweisen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Klage richtet sich gegen zwei Preiserhöhungen des Versorgers E.ON Hanse. Er hatte zum 1. Oktober die Tarife zunächst um zehn Prozent erhöht und zum 1. Februar noch einmal 2,8 Prozent draufgelegt. Die Angelegenheit soll vor dem Landgericht in Hamburg verhandelt werden. Die Verbraucherzentrale Hamburg wirkt bei der Klage als Unterstützer mit. "Damit wollen wir ein Signal für alle Gaskunden in Deutschland setzen" sagte ihr Geschäftsführer, Günter Hörmann.

Die Kläger halten die Erhöhungen für ungerechtfertigt und wollen E.ON Hanse zwingen, die geschäftliche Kalkulation dahinter offen zu legen. Die Kunden beantragten zudem eine gerichtliche Feststellung, dass sie den erhöhten Preis nicht zahlen müssen. Im Durchschnitt geht es nach Mitteilung der Verbraucherzentrale um 136 Euro pro Kläger.

E.ON Hanse: Wir sind billiger als der Durchschnitt

Das Landgericht muss zunächst über die Zulässigkeit der Feststellungsklage entscheiden. "Dann hat E.ON Hanse die Wahl, entweder auf die Erhöhung zu verzichten oder die Hosen herunterzulassen", sagte der Anwalt der Kläger, Joachim Bluhm. Die Versorger hätten bislang gerichtliche Auseinandersetzungen gescheut, um sich nicht in die Karten blicken zu lassen. Mit einem Urteil der ersten Instanz rechnet Bluhm im Spätherbst.

E.ON Hanse hat Kunden in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Ein Sprecher sagte, das Unternehmen sei fest davon überzeugt, dass seine Preispolitik einer rechtlichen Prüfung standhalte. E.ON Hanse gehöre zum günstigsten Drittel der Gasversorger in Deutschland.

Die E.ON-Tochter begründet die Preiserhöhungen vor allem mit der vertraglichen Bindung der Gaspreise an die Ölpreise, die stark gestiegen seien. Die Verbraucherzentrale argumentiert, eine solche Bindung sei in den Endkunden-Verträgen nicht enthalten. Die höheren Preise seien vielmehr Ausdruck des fehlenden Wettbewerbs auf dem deutschen Gasmarkt.