Preisverfall: Infineon rutscht in die roten Zahlen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Preisverfall Infineon rutscht in die roten Zahlen

Infineon entwickelt sich wieder zum Sorgenkind in der Siemens-Familie. Chip-Preise unterhalb der Herstellungskosten verhageln das Quartal.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - "Ich glaube, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass wir im dritten Quartal Verluste schreiben werden", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher anlässlich einer Technologiekonferenz in Barcelona. Die Ergebnisse der Sparten Speicherprodukte und drahtlose Kommunikation würden sich möglicherweise weiter verschlechtern. Die Lagerbestände der Kunden in diesen beiden Märkten seien gestiegen und die Preise in den letzten drei Wochen noch weiter gefallen. Er erwarte aber weiter eine Erholung der Preise für Speicherchips in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres 2001.

Die Chip-Preise liegen schon seit einiger Zeit deutlich unter die Herstellerkosten von 3,40 Dollar je Chip. Im Sommer 2000 hatten die Halbleiter noch bis zu neun Dollar gekostet. Die zeitweise Erholung der Preise an den Spotmärkten sei wohl nur ein Zwischenhoch gewesen, hieß es bei Analysten. Auch beim Mobilfunk bleibe die Entwicklung weiter schwierig. "Die schwache Nachfrage nach Handys dürfte sich daher noch einige Monate fortsetzen. Die Hoffnungen liegen auf dem Weihnachtsgeschäft", hieß es in einem Kommentar der DG-Bank.

Schumacher sagte, die Erwartung, dass 2001 weltweit 450 Millionen Handys verkauft würden, sei sehr optimistisch. Damit folgte er der Siemens-Vorstand Volker Jung, der 2001 nur noch mit 400 Millionen abgesetzter Handys rechnet, was gegenüber dem Boomjahr 2000 kein Wachstum mehr bedeuten würde.

Bereits im zweiten Quartal hatten die schwachen Ergebnisse der Speicher- und Mobilfunksparten Infineon einen Gewinneinbruch beschert. Mit Speicherprodukten hatte der Konzern einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 134 (Vorjahresquartal: plus 193) Millionen Euro verbucht. Bei der mobilen Kommunikation war der Gewinn auf vier gegenüber 54 Millionen Euro in 2000 geschrumpft. Im Konzern hatte Infineon mit einem Ebit von zehn Millionen Euro aber noch schwarze Zahlen geschrieben, wozu vor allem die guten Ergebnisse der Bereiche drahtgebundene Kommunikation, Chipkarten-ICs und Automobilelektronik geführt hatten.

Eine Infineon-Sprecherin dementierte Gerüchte, wonach der Konzern seine Prognosen auch für diese Sparten gesenkt habe. "Das Wachstum, das im ersten Halbjahr sehr dynamisch war, wird im zweiten Halbjahr aber sicher nicht mehr so stark sein", fügte sie hinzu. Für das Gesamtjahr erwarte Infineon weiter ein zweistelliges Umsatzplus und ein besseres Ebit für die drei Bereiche, die zusammen rund 40 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen.

Die fehlende Erholung der DRAM-Preise sei Besorgnis erregend, hieß es bei den Analysten. "Das fundamentale Umfeld hat sich in den letzten Wochen nicht nennenswert verändert. Die Hoffnungen liegen zunächst auf der zur zweiten Jahreshälfte erwarteten DRAM-Markterholung", hieß es bei der DG-Bank, deren Anlageurteil bei "Akkumulieren" liegt. Die Investmentbanken Merrill Lynch und Morgan Stanley sind etwas pessimistischer und stufen die Infineon-Aktien auf "neutral" ein. Merrill Lynch hatte seine Gewinnschätzungen bereits vor einigen Wochen auf 0,10 Euro je Aktie reduziert. Die Investmentbank Morgan Stanley halbierte ihre Infineon-Gewinnschätzung für das laufende Jahr auf 0,20 Euro je Aktie.

Die Börse reagierte auf die schlechten Nachrichten des Halbleiterherstellers mit Verkaufsorders. Mit einem Minus von bis zu 4,7 Prozent auf 43,70 Euro waren die Titel bis zum Mittag der größte Verlierer im Dax.